Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Bemerkungen zur arabischen Frage
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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der Ursache befragte, sagte sie, sie habe sich daran erinnert, daß sie vor einigen Jahren dieses Feld noch für ihr eigenes Haus bestellt hatte" (Haschiloach, Bd. 19., S. 466). Wenn aber wiederum Arbeiter und Eigentümer Juden sind, die Araber also gänzlich verdrängt werden, so bleibt die Frage: Läßt sich eine halbe Million Menschen expropriieren? Und selbst wenn wir genug Geld und Macht hätten, dies zu erreichen — wird die türkische Regierung, deren ganzes Streben darauf gerichtet ist, die nomadisierenden Beduinen seßhaft zu machen, zugeben, daß wir seßhafte Bauern zu Nomaden machen? Dieses Entweder-Oder ist nun aber um so seltsamer, als Palästina tatsächlich Platz genug hat für Araber und Juden, es sich also nur darum handelt, Modalitäten für ein Zusammenwohnen zu finden. Die jüdische Siedlungspolitik hat sich bisher wenig um diese Frage gekümmert. Man kaufte das Land, wo und wie es gerade zu haben war, und kümmerte sich wenig darum, ob der momentane Erfolg nicht nach Jahren zu einem Fiasko im Großen führen könne. (Ein abschreckendes Beispiel hiefür ist die Erwerbung von Metullah durch die Administration der Ica. Siehe Haschiloach, Bd. 17., S. 197 f.) Wie eine vernünftige jüdische Kolonisation in Palästina vor sich gehen könnte, ohne daß derartige Konflikte mit den Arabern heraufbeschworen werden, hat Jizchak Epstein in einem vor vier Jahren im 17. Bande des „Haschiloach" veröffentlichten Vortrage ausgeführt. Seine Auseinandersetzungen sind für uns ebenso wertvoll durch ihre ungeschminkte Wahrhaftigkeit wie durch die echt jüdische Denkart, die aus ihnen spricht. Epstein stellt als leitendes Prinzip unserer Kolonisation hin: wir wollen niemanden verdrängen. Wir wollen uns dort festsetzen, wo sich andere noch nicht angesiedelt haben, dort Fuß fassen, wo andere es noch nicht getan haben, zu unserem und des Landes Heile, die in seinem Boden und in seinem Klima liegenden, unausgenutzten Möglichkeiten offenbar machen. Wir müssen daher vor allem solches Land in Besitz nehmen, welches bisher nicht bebaut worden ist, weil es hiezu einer mehr oder weniger kostspieligen Melioration bedarf. Dieser Teil des Landes umfaßt nach Epstein mehr als die Hälfte des Landes. Mag seine Urbarmachung kostspielig sein, sie ist deshalb nicht unrentabel und könnte von Landentwicklungsgesellschaften recht gut durchgeführt werden. (Man kann heute schon in Kineret sehen, wie die PLDC durch Entsteinung weite Strecken der Kultur zuführt.) ,194