Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Bemerkungen zur arabischen Frage
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber natürlich dürfen wir deshalb die besetzten Teile Palästinas nicht aus den Augen lassen. Auch sie bieten ja Platz für eine vielfache Vergrößerung der Bevölkerungszahl. Man muß also nicht und darf nach dem Gesagten auch nicht daran denken, die bisherigen Pächter zu verdrängen. Vielmehr muß man ihnen einen Teil des Bodens lassen und ihnen helfen, mittelst des Geldes, daß sie als Ablösung ihrer Häuser und Gärten von dem neuen Eigentümer erhalten, zu einer intensiveren Kultur überzugehen und sich so trotz des kleinem Landbesitzes denselben Ertrag zu erhalten. Wir kommen nicht als Eroberer und Raubkolonisatoren nach Palästina (obzwar ich leider bemerken konnte, daß man sich da und dort zu den Arabern gern so stellen möchte, wie die Europäer zu den Schwarzen. Man komme mir nicht mit dem „gesunden nationalen Egoismus"! Ein solcher könnte bei uns nur darin bestehen, daß wir in unserem Leben das Judentum verwirklichen . . .) Wir kommen nach Palästina als Kulturträger. Die Araber sollen von uns lernen, und daß sie dies in einer für unsere Frage entscheidenden Weise zu tun beginnen, bezeugt der schon einigemal angeführte Artikel Thons: „Die Fellachen, die fast durchwegs eher zu viel als zu wenig Land besitzen, beginnen ebenfalls einzusehen, daß es vernünftiger ist, einen Teil des Besitzes zu einem guten Preise loszuwerden, dafür den übrig gebliebenen nach dem Muster der Juden rationeller zu bewirtschaften und etwas Kapital zu besitzen, um vor allem dem Wucher zu entgehen". Diese Worte zeigen den Weg, den die jüdische Siedelungsbewegung gehen muß. Wie heute schon unsere Aerzte von der autochthonen Bevölkerung zu Rate gezogen werden, so sollen wir ihr in allem Muster sein. Die Araber sollen in uns die Träger der Gesittung und einer wahren Kultur sehen, die durch uns auch ihnen zugänglich wird. Man sprach kürzlich in Jerusalem von der Notwendigkeit einer arabisch geschriebenen jüdischen Zeitung, welche die Araber über das wahre Wesen des Zionismus aufklären würde. Eine solche könnte sicherlich viel Gutes stiften. Aber vor allem ist es wichtig, daß unsere Taten Zeugen unserer Gesinnung werden. Wie sollte das jüdische Kulturzentrum, das wir in Palästina errichten wollen, diesen Namen verdienen, wenn es nicht auf jenen Grundsätzen ruhte, die wir einst der Welt verkündet haben und die für immer das Fundament ihrer Gesittung bilden? Es zeigt sich in dieser einen wie in allen anderen jüdischen Fragen, daß ein Ausweg aus dem Wirrsal unseres Daseins nur gefunden werden kann, wenn wir uns auf das Grundwesen des Judentums besinnen. 5& 195