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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 187

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Die landwirtschaftliche Kolonisation unter den Juden
Date
1911-01-01
Page
Seite 187 (sequence 4)
Language
German
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Die jüdischen Kolonien in Südpalästina, die vorwiegend Pflanzungsbau-Kolonien sind, liefern den Beweis, daß die Söhne der Pflanzungsbesitzer sich bereits gut in den landwirtschaftlichen Beruf, auch den eigentlichen Ackerbau, einleben. Dieser Söhne wegen müssen die Väter zum Erwerbe von Pflanzungen veranlaßt werden. Was in den Ackerbauschulen, die von Kolonisationsgesellschaften an vielen Orten, z. B. in Jaffa (Palästina), Djedeida^ (Tunis), Or-Jehuda (Kleinasien), Woodbine (Vereinigte Staaten), Sföbodka-Lesna (Galizien), Steinhorst (Provinz Hannover) unterhalten werden, nur in sehr kostspieliger Weise, in geringem Umfange und mit zweifelhaftem Erfolge möglich ist, nämlich die Heranbildung der Kinder zu praktischen Landwirten, das wird in der väterlichen Wirtschaft und im dörflichen Milieu mit Unterstützung der Dorfschule auf billige und naturgemäße Weise geschehen können. Freilich wäre es falsch, dem lebhaften Juden gerade den schwerfälligen Bauer aus Nord- und Osteuropa, der sein Feld noch nach der Urväter Weise bestellt, als Muster vorzuhalten. Die heutige Landwirtschaft ist bereits über diesen Bauerntypus hinausgewachsen und findet ihren besten Vertreter viel eher in dem mit allen modernen Hilfsmitteln arbeitenden intelligenten amerikanischen Farmer. Diesen werden sich auch die Juden zum Vorbild zu nehmen haben. Gelänge es, das jüdische Kapital in Osteuropa für das Kolonisationswerk zu mobilisieren und zum Erwerbe von Pflanzungen zu veranlassen, so hätte dies zugleich den Vorteil, daß in den anzulegenden Pflanzungen eine große Zahl junger unbemittelter Juden als Arbeiter ihr Brot finden und sich in die Landwirtschaft einleben könnte. Jetzt gibt es solche Landarbeiter, aus denen sich z. B. in Deutschland ein großer Teil zu einer kleinbäuerlichen Existenz aufschwingt, nur in geringer Zahl, und es fehlt damit der jüdischen Kolonisation ein wichtiges Glied. Allerdings wäre auf einen unbegrenzten Zufluß von jüdischen Landarbeitern nur dann zu rechnen, wenn diese Arbeiter die Aussicht hätten, allmählich aus dem Stande des Lohnarbeiters aufzusteigen und zu einer gewissen Selbständigkeit zu gelangen. Das ist in der Weise denkbar, daß die Arbeiter, nachdem sie einige Jahre als einfache Lohnarbeiter gearbeitet haben, in größeren Wirtschaften oder in Siedlungsgenossenschaften, wie sie Franz Oppenheimer empfiehlt, neben ihrem Tagelohn auch einen Teil des Reingewinns erhalten. Dadurch werden sie zu besonders intensiver und guter Arbeit angespornt und sie haben die Möglichkeit, kleine Ersparnisse zu machen, mit deren Hilfe sie sich ein Stückchen Land, ein eigenes Häuschen und etwas Inventar erwerben können*). Sie sind dann, obwohl sie in der Hauptsache noch auf den Verdienst aus Lohnarbeit angewiesen sind, doch schon imstande, eine eigene kleine Wirtschaft (Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Gemüsebau) zu unterhalten und aus ihrem Verdienst nicht der Landwirtschaft, z. B. die Milchwirtschaft und der Gemüsebau, konnten sich in den jüdischen Kolonien in Palästina hauptsächlich deshalb nicht entwickeln, weil die Frauen sich der Arbeit nicht annahmen. *) Eventuell könnten hier die Kolönisationsgesellschaften durch Gewährung eines langfristigen Darlehens für den Hausbau helfend eingreifen. 187

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