Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Die landwirtschaftliche Kolonisation unter den Juden
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
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Will man jährlich nicht nur einige Dutzend, sondern einige hundert oder sogar einige tausend Juden der Landwirtschaft zuführen, so kann das nicht durch philanthropische Kolonisation, sondern nur dadurch geschehen, daß Privatleute aus eigenem Antriebe den landwirtschaftlichen Beruf ergreifen und die zur Installierung als selbständige Landwirte erforderlichen Aufwendungen aus ergenen Mitteln bestreiten. Ist das aber zu erwarten? Wenn den bemittelten Privatleuten nur der Getreidebau zugänglich wäre, der schwere körperliche Arbeit und eingehende landwirtschaftliche Kenntnisse verlangt, gewiß nicht. Denn der Jude in Osteuropa, der die zur Installierung als Landwirt notwendigen 15 000—20 OOO Mark besitzt, kann damit als Kaufmann oder als industrieller Unternehmer eine gute Existenz haben und fürchtet sich naturgemäß davor, sich einem schweren und unbekannten Berufe zuzuwenden. Ganz anders aber steht es, wenn dem Juden die Rückkehr zur Landwirtschaft unter dem Bilde eines leichten Berufes und einer sicheren Existenz erscheinen würde. Das wäre der Fall, wenn der Jude nicht als Ackerbauer, sondern als Plantagenbesitzer seinen Einzng in die Landwirtschaft hielte. Die Plantagenkultur für welche insbesondere Palästina sehr geeignet ist, verlangt weder harte Arbeit, noch besondere landwirtschaftliche Kenntnisse, sobald die Plantage erst Frucht gibt*). Könnte man den kleinen und mittleren jüdischen Kapitalisten den Erwerb einer bereits fruchttragenden Pflanzung durch die Vermittlung großer Pflanzungsgesellschaften ermöglichen, so würde der Uebergang zur Landwirtschaft schon nicht mehr als eine ökonomische Verschlechterung oder als ein Sprung ins Dunkle erscheinen und der Gedanke, im Lande der Väter zu wohnen, könnte nicht mehr als unpraktisch gelten. Allerdings ist der Jude, der auf diese Weise eine fruchttragende Pflanzung kauft, damit noch kein Landwirt, sondern eben nur ein Plantagenbesitzer geworden; aber er lebt doch bereits in einem landwirtschaftlichen Milieu und seine Kinder können in diesem Milieu bereits zu wirklichen Landwirten heranwachsen. Sie werden bereits imstande sein, neben dem Pflanzungsbau auch den Getreidebau aufzunehmen und alle Zweige der Landwirtschaft zu pflegen, besonders wenn dafür Sorge getragen wird,, daß den Kindern in den Dorfschulen oder durch Wanderlehrer elementarer landwirtschaftlicher Unterricht erteilt und in ihnen Liebe unc1 Verständnis für die Landwirtschaft erweckt wird.**) *) Es scheint, daß der Jude für den Pflanzungsbau weit mehr befähigt ist, als für den Ackerbau. Es ist gewiß kein Zufall, daß die Juden, die sich in Rußland und den Vereinigten Staaten freiwillig, d. h. ohne Hilfe von Kolonisationsgesellschaften, der Landwirtschaft zuwandten, neben der Milchwirtschaft gerade den Gartenbau, Tabakbau und Weinbau gewählt haben. In Palästina sind die jüdischen Pflanzungskolonien technisch sogar den deutschen Kolonien überlegen. **) Das ist vor allem hinsichtlich der Töchter nötig, bei denen der Mangel an landwirtschaftlicher Erziehung und landwirtschaftlichem Interesse in den jetzigen jüdischen Kolonien höchst unangenehm auffällt. Manches Kolonisten Existenz ist dadurch unmöglich geworden, daß die Frau keinerlei Verständnis für die ihr in einem geordneten landwirtschaftlichen Betriebe zufallenden Aufgaben hatte, und wichtige Zweige 186