Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Die landwirtschaftliche Kolonisation unter den Juden
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
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es, welche die Kolonien bevölkerten. Das Administrationssystem ist heute zwar aufgegeben, aber seine schädlichen Wirkungen sind, insbesondere in den Rothschüdschen Kolonien in Palästina noch nicht ganz überwunden. An die Stelle des Administrationssystem sind die Kolonisationsgesellschaften, insbesondere JCA zu dem System übergegangen, nur solche Leute anzusiedeln, die sich als landwirtschaftliche Arbeiter oder als Söhne von Kolonisten schon eine gewisse landwirtschaftliche Erfahrung erworben und sich dem ländlichen Milieu angepaßt haben. Tatsächlich hat sich dieses System als richtig erwiesen und den Prozentsatz der sich späterhin als untauglich erweisenden Kolonisten erheblich vermindert. Die vielen Gelder, die die Kolonisationsgesellschaften wahllos ausstreuten, tragen also wenigstens in der zweiten Generation Frucht. Vielleicht war es sogar notwendig, daß einmal Geld mit vollen Händen ausgegeben wurde. Wären nicht diese Mittel und die Bereitwilligkeit dagewesen, 100 Juden zu kolonisieren, um 10 davon dauernd der Landwirtschaft zu erhalten, so wären heute selbst diese 10 Kolonisten nicht da, die für die weitere Ausbreitung der Kolonisation von größtem Nutzen sind. Der Anfang war schwer und teuer, aber er hat alle spätere Kolonisation unendlich erleichtert und verbilligt. In einer Beziehung steht das Kolonisationswerk auch heute noch auf einem toten Punkt; es gibt zwar schon die Möglichkeit, Leute mit landwirtschaftlichen Kenntnissen für die Ansiedlung zu finden, aber nicht Leute mit Geld. Noch immer melden sich, wenn man von den für Palästina begeisterten Zionisten absieht, nur ganz unbemittelte Leute zur Kolonisation, denen alles zur Ansiedlung Erforderliche bis auf das kleinste Inventarstück von der Kolonisationsgesellschaft darlehensweise gegeben werden muß. Das hat nicht nur die schon erwähnte Folge der mangelnden Sorgfalt in der Behandlung des Inventars, es hat die weitere unangenehme Folge, daß der Kolonist keinerlei Kreditbasis hat, auf die er sich in schlechten Zeiten einmal stützen kann. Es hängt bei irgendeinem widrigen Zufalle, wie z. B. einer schlechten Ernte, ausschließlich von dem Belieben der Kolonisationsgesellschaft ab, ob sie dem Kolonisten helfen oder ihn zugrunde gehen lassen will. In solcher Lage kann sich weder ein Bauernstolz, noch das Vertrauen auf die eigene Kraft, noch ein enges Verwachsen mit der eigenen Scholle entwickeln. Der Kolonist weiß, daß eine einzige schlechte Ernte, eine Viehseuche usw. seine ganze Existenz über den Haufen wirft; er weiß aber auch, daß er nichts zu verlieren hat, .und er verläßt deshalb leichthin Haus und Hof in Fällen, wo er, wenn sein eigenes Geld in der Wirtschaft stecken würde, sicherlich den •Kampf mit den widrigen Umständen aufgenommen und durch vermehrte Arbeit den Schaden auszuwetzen versucht hätte. Noch einen weiteren Nachteil hat die Kolonisation unbemittelter Leute im Gefolge : sie erfordert ungeheure Summen, da die Ansiedlung eines jeden Kolonisten bis zu 15 000 M. oder sogar noch mehr kostet. .Es ist klar, daß bei solchem Kostenaufwande selbst die reichsten Philanthropen und Kolonisationsgesellschaften nur eine relativ kleine Zahl von Leuten ansiedeln können. 3 185