Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Was am meisten nottut...
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 3)
- Language
- German
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Die nüchterne Auffassung der Verhältnisse seitens der führenden Organe der Bewegung, die wahrheitstreuen Schilderungen der möglichen bescheidenen Grenzen der momentanen Aufnahmefähigkeit Palästinas, dies alles befriedigte jetzt die großen Massen nicht. Es gibt nur eine Möglichkeit, dieser Enttäuschung und Erbitterung allmählich entgegenzuarbeiten, das ist: mit Anstrengung aller uns zu Gebote stehenden Kräfte die Aufnahmefähigkeit Palästinas für die jüdische Ansiedelung zu vergrößern. Es hat sich leider bei sehr vielen,' auch selbst guten Zionisten ein Zionismus eines vereinfachten Typus herausgebildet, ein Zionismus, der unmittelbarer Palästinismus genannt werden könnte, ein Zionismus, der die nationalisierenden 'und organisierenden Momente gänzlich bei Seite schiebt und die Erfolge des Zionismus nur nach der quantitiven Anzahl der in Palästina gewonnenen Positionen mißt. Vor einigen Jahren haben wir über einen solchen Zionismus gelächelt, ich entsinne mich, wie komisch uns die Antwort der Bergjuden des Kaukasus vorkam, gegenüber einem zionistischen Agitator, der dorthin entsandt wurde, um unter denselben zionistische Ideen zu propagieren. „Wir verstehen unter Zionismus — die Anweisung des Weges und der Mittel, wie wir am besten und schnellsten alle mit unsern Kindern und Familien nach Palästina übersiedeln sollen. — Aber Kongreß, Schekel, Programm, Organisation etc., das ist für uns nicht recht klar." Und die sich stets verdichtende Atmosphäre der jüdischen Rechtlosigkeit drängt immer weitere Kreise zu dieser unmittelbaren Methode des Zionismus. Und die Folge davon ist, daß für Organisationszwecke, für Institute mit etwas weitläufigeren Zielen in Rußland schwer etwas zu machen ist, dagegen für direkte Palästinaarbeit sich sehr leicht arbeiten läßt. Ich habe absichtlich vor einiger Zeit aus Palästina zuverlässige Ziffern eingeholt, in welchem Verhältnisse die Juden Rußlands bei den neuen Unternehmungen in Palästina vertreten sind, und da stellte sich heraus, daß von dem gesamten Kapital, welches in Palästina in den Jahren 1908 und 1909 in Privatunternehmungen neu investiert ist, einem Betrage von 964 Tausend Francs, seitens der russischen Juden 811 Tausend angelegt sind und nur 153 Tausend von anderen (österreichischen, deutschen und amerikanischen) Juden aufgetrieben sind. Die Beteiligung russischer Juden macht demnach über 84% aus. Und dieses betrifft nur die größeren Investierungen, die kleineren (Werkstätten, kleine Handelsgeschäfte u. dgl.) sind ja fast ausschließlich russischjüdische. Der Nationalfonds erfreut sich ebenfalls einer stets wachsenden Popularität, weil der Zweck desselben, der direkte Ankauf des palästinensischen Bodens,, so einfach ist und dem 182