Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Was am meisten nottut...
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 2)
- Language
- German
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planmäßigen Verfolgungen erfordern gebieterisch einen Ausweg. Jeder Bericht, den ein zionistischer Redner, von welchem Orte es nur sei, innerhalb oder außerhalb des Ansiedlungsrayons, erstattet, spricht von einer gewißen Verstimmung gegenüber der zionistischen Organisation, gegenüber ihren Zentralorganen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil dieselben dem Volke nicht das geben, was das letztere von denselben erwartet hat, nämlich den Ausweg aus der gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Judennot. Die meisten, die nach Palästina streben, müssen an ihrer Stelle bleiben, weil alle unsere Informationsorgane zum allergrößten Teil den Rat erteilen, von der Uebersiedlung abzusehen. Dieselben haben — und nicht ganz mit Unrecht —1 den Ruf, nicht der Förderung der Emigration, sondern der Einschränkung derselben zu dienen. Und es ist klar, daß dieselben auch nicht anders handeln können; wenn sie gewissenhaft und ihrer großen Verantwortlichkeit sich bewußt, verfahren wollen, sind sie gezwungen, den Strom der Emigration zum allergrößten Teile von Palästina abzuhalten. Wir sind uns ja auch bewußt, daß vorläufig die Aufnahmefähigkeit Palästinas noch verhältnismäßig gering ist, besonders im Verhältnis zu der ungeheuren Zahl jener, die aus allen Teilen Rußlands hinüberziehen möchten. Wir, die wir in den vorderen Reihen der Zionisten Rußlands stehen, befinden uns daher stets unter einem ungeheuren Massendruck und müssen den Druck weiter den Zionisten derjenigen Länder hinüberleiten, wo das jüdische Leben viel ruhiger sich bewegt, wo der Ausweg aus dem jetzigen Zustande nicht so dringend und akut ist. Und darum: wenn man sich in Westeuropa und Amerika mehr mit Organisationsfragen, mit einem planmäßigen Ausbau unserer Institute befassen mag, sind wir dieser Möglichkeit der systematischen Arbeit beraubt. Dort hat man, um in der Sprache unserer Organisation zu sprechen, mehr Schekelzahler als Zionisten, wir im Gegenteil haben viel mehr Zionisten als Schekelzahler. Ich sehe in diesem Moment von jenen äußeren Umständen ab, die unsere Arbeit ganz unmöglich machen. (En passant möchte ich nur andeutungsweise betonen, daß die „Freiheiten" des neuen „konstitutionellen" Rußland derartige sind, daß wir beinahe mit Sehnsucht an die „schönen" Tage aus Plehwes Aera uns erinnern könnten.) Die inneren Schwierigkeiten der Lage der zionistischen Organisation in Rußland liegen darin, daß nach der verheißungsvollen Begeisterung der Epoche der ersten sechs Kongresse, als die erlösende Hilfe 'als so nahe bevorstehend verkündet wurde, eine der Verzweiflung nahe Enttäuschung sich der jüdischen und sogar der zionistischen Massen bemächtigt hat. Der Glaube an die großen Verkündigungen und Verheißungen war gebrochen. 181