Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 7-9
- Article
- Zum X. Zionistenkongress
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Partei sprechen der inneren Kolonisation durch Staatshilfe das Wort (im Heft 21/1909, Seite 1358, der „Sozialistischen Monatshefte" schreibt der sozialistische Agrartheoretiker Dr. Arthur Schulz: „Es ist daher für unsere Partei der Zeitpunkt gekommen, die Etablierung lebensfähiger Familienbetriebe in direktem Weg der Bauernkolonisation oder in indirektem Weg entwicklungsfähiger Landarbeiteransiedlung auf dem Gelände von Großgütern an die Spitze eines durch diesen Gedanken beherrschten Agrarprogramms zu rücken.") Dazu kommt, daß bei einer derart schwierigen Aufgabe, wie es die in Frage kommende ist, auf so mächtige Antriebe, wie z. B. das Streben des Besitzlosen nach einem Stück Land, nicht verzichtet werden kann. Wir müssen mit Menschen rechnen, wie sie eben heute infolge einer viel tausendjährigen Entwickelung, die sich auf Grundlage des Privateigentums abgespielt hat, geartet sind und können nicht erwarten, daß die sozialen Ideen des letzten Jahrhunderts die Köpfe schon so umgestaltet haben, daß immer und überall das Bewußtsein, nicht nur für sich, sondern auch für eine Gemeinschaft zu arbeiten, den Antrieb äquivalieren könnte, welcher aus dem Wunsche nach eigenem Besitze fließt, der sich namentlich in bezug auf den Besitz eines Stücks Land immer und überall, auch bei der sich eben jetzt abspielenden inneren Kolonisation in den verschiedenen Staaten, als mächtigster Hebel, alle Kräfte aufs äußerste anzuspannen, erwiesen hat. Die Mischung von privatwirtschaftlicher und gemeinnütziger Kolonisation wird übrigens nur wohltätig, d. h. durch das Beispiel sozial erzieherisch wirken. Auch rein praktisch ist jene Mischung von großem Werte. Die mehr in gemeinnützigem Sinne betriebenen Wirtschaften werden vorbildlich sein im Sinne eines technisch musterhaften Betriebes, hoher Arbeitslöhne und anderer sozialpolitischer Maßnahmen. Der private Kolonist wird dagegen wieder ein Mehr an Initiative, Unternehmungslust und vielleicht Anspannung der Arbeitskraft aufweisen. Es wird dadurch nicht nur ' eine gesunde Entwickelung der Kräfte des Volkes nach allen Richtungen hin stattfinden, sondern auch, durch das gegenseitige Beispiel, eine wechselwirkende Befruchtung. Allerdings birgt die privatwirtschaftliche Kolonisation gewisse Gefahren, jene des Uebergangs des Bodens in fremde Hände und die Aufsaugung des Bauernlandes durch Großgrundbesitz. Gerade um diesen Gefahren zu begegnen, darf aber der Nationalfonds nicht die Politik des „laisser faire, laisser aller" betreiben. Läßt er die private Kolonisation nur durch private Institutionen (Agrarbanken) alimentieren, so ist eine Einflußnahme nicht möglich. Nimmt er aber in irgend einer Weise teil an der privaten Kolonisation, z. B. durch vorübergehende Leihe von Geldern an die Jüdische Agrarbank, so kann er in mehrfacher Weise Ingerenz nehmen. Er kann zur Bedingung machen, daß der Kreditnehmer jüdische Arbeiter anstellt, daß Kredite nur an kleine und mittlere Bauern gewährt werden, daß die Jüdische Agrarbank oder der jüdische Nationalfonds bei allen exekutiven und freihändigen Verkäufen des belehnten Landes ein Vorkaufsrecht besitzt etc. 173