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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 172

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zum X. Zionistenkongress
Date
1911-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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eröffnet werden wird, von diesem Enthusiasmus beseelt sein möge, ist der Wunsch aller Freunde der jüdischen Palästina-Kolonisation. Neben dieser ideellen Bedeutung des Zionistenkongresses sind alle einzelnen Beschlüsse, die er bezüglich der praktischen Palästinaarbeit der zionistischen Organisation faßt, von minderer Wichtigkeit. Es ist schon gesagt worden, daß in den großen prinzipiellen Fragen nicht viel Neues beschlossen werden kann. Diesbezüglich wird der X. Kongreß an Bedeutung hinter seinen Vorgängern zurückbleiben. Der siebente hat das unbedingte Festhalten der Organisationen an Palästina besiegelt, der achte die endgiltige Niederlage des Charterismus gebracht und den Beginn der praktischen Arbeit beschlossen, der neunte wenigstens die Realisierung des interessanten Projektes der Siedlungsgenossenschaft in die Wege geleitet. Dem zehnten Kongreß liegt bis nun keine wichtige Frage der Palästinaarbeit vor. Immerhin erscheint zumindest e i n Problem sehr akut und der Diskussion am Kongresse wert. Die Frage der Beteiligung des Nationalfonds an einer künftigen Agrarbank, die hoffentlich in absehbarer Zeit wird gegründet werden können. Diese Frage ist von größter prinzipieller Bedeutung, da entschieden werden muß, ob der Nationalfonds, dieses Volksvermögen, die privatwirtschaftliche Kolonisation unterstützen soll oder nicht. Ueber das Für und Wider in dieser Frage hat sich Schreiber dieser Zeilen schon an anderer Stelle *) ausführlich geäußert. Angesichts der Wichtigkeit der Frage sei es gestattet, die betreffenden Aeußerungen nachstehend zu rekapitulieren: Seitens der jüdischen Arbeiterschaft sind gegen eine Beteiligung des Nationalfonds an einer künftigen Agrarbank verschiedene prinzipielle Bedenken erhoben worden. Es wurde gesagt, daß der Nationalfonds nicht dazu da sei, private Aneignung von Land zu fördern, bei welcher erstens keine Gewähr dafür vorhanden ist, daß das Land auch dauernd jüdisch bleibt, und die zweitens die private Aneignung einer Grundrente, welche infolge des Wachstums des jüdischen Gemeinwesens entstehen muß, ermöglicht. Dadurch würden mit Hilfe des Nationalfonds die Juden Palästinas den privaten Landbesitzern tributär. Demgegenüber ist folgendes zu bemerken: Zunächst handelt es sich bei der privatwirtschaftlichen Kolonisation um die Schaffung von Bauernwirtschaften mäßiger Größe, welche selbst nach Ansicht der extremsten Bodenreformer (Oppenheimer) und sogar Sozialisten (David) keinerlei soziale Gefahr für ein Gemeinwesen bieten, wie etwa der private Großgrundbesitz. Der kleine Bauer kann mit Aufwendung seiner und seiner Familie Arbeitskraft sich überall nur eine bescheidene Existenz erringen. Er ist kein „Kapitalist" und bedeutet keine soziale Gefahr. Im Gegenteil erscheint überall ein gesunder Klein- und Mittelbauernstand als Vorbedingung einer sozial günstigen Entwickelung des Gemeinwesens, wie es das Beispiel Dänemarks beweist. Diese Ansicht ist sogar heute schon von Sozialdemokraten rezipiert worden und viele Fachschriftsteller dieser *) Adolf Böhm: Der jüdische Nationalfonds. Jüdischer Verlag, Köln, Seite 40-43. 172

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