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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 171

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zum X. Zionistenkongress
Date
1911-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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Zukunft gegeben. Und ebensowenig kann diese das System der zionistischen Neukolonisation sein, wie dies im Zuge der Agitation für die Palestine Land Development Company des ausführlichen dargelegt worden ist. Man hat in Palästina deshalb die zionistische Kolonisation auf ein neues System basiert, das vielversprechende Anfänge gezeitigt hat. Mit mehr oder minder großen Abweichungen besteht es darin, daß die in Genossenschaften zusammengeschlossenen jüdischen Arbeiter zu eigentlichen Subjekten der jüdischen Kolonisation gemacht werden. Am reinsten ist dieses System in Um - el - Djumi ausgebildet, wo der Versuch mit einer selbständigen Arbeitergenossenschaft, welche die Hälfte des Reingewinnes erhält, sehr gut gelungen ist. Selbstverständlich gehört hieher auch Aphule (Siedlungsgenossenschaft) und im gewissen Sinne auch Kinereth. All diese Versuche hätten von vornherein keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt, wenn nicht in Palästina ein kleiner Stamm jüdischer Arbeiter vorhanden gewesen wäre, welcher durch die Reife seines Urteils, die bitteren praktischen Erfahrungen in Palästina und nicht zuletzt durch den unverminderten nationalen Enthusiasmus die für unsere Kolonisation gefährliche, einseitige und unzureichende Ideologie des Marxismus überwunden hatte. Man darf nie vergessen, daß soziale Konstruktionen, die man noch so schön am Papier macht, wie etwa die der landwirtschaftlichen Arbeiterproduktivgenossenschaft, in der Praxis kläglich scheitern können, wenn den bestimmten Individuen, welche den Versuch ausführen sollen, der nötige Gemeingeist abgeht. Die Geschichte der Experimente mit einzelnen Kommunistengemeinden lehrt, daß nur dort, wo durch irgend ein ideales Moment, sei es religiöser, sei es sozialer Natur, oder auch nur der Glaube an die Person des Leiters, der Versuch gelungen ist, und zwar auch dort, wo die größten praktischen Schwierigkeiten zu überwinden waren, daß hingegen ohne dieses seelisch einigende Band die Gemeinde zugrunde ging. Aehnliches gilt auch für Palästina. Gewiß wird vieles von der Privatinitiative geleistet werden, aber die Möglichkeit, eine wurzelfeste Kolonisation in breitem Stile durchzuführen, hängt vor allem von dem Geist ab, der die jüdische Arbeiterschaft als deren Trägerin beseelen wird. Der nationale Enthusiasmus ist allein imstande, in der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas jenen Seelenzustand, jenes Gemeingefühl, jene Begeisterung für die Parole: „Alle für einen und einer für alle" zu erzeugen, die nötig ist, um die neue Form der genossenschaftlichen Kolonisation zu den gewünschten Erfolgen zu verhelfen. Wenn wir uns klar machen, daß für die zionistischen Ziele der Geist, der die jüdische Arbeiterschaft beseelt, das weitaus wichtigste Moment darstellt, dann werden wir von der bloß „nüchternen" Auffassung der „praktischen" Arbeit zurückkommen und den auschlaggebenden Wert des nationalen Enthusiasmus zu schützen wissen, den ein Herzl in allen Schichten des Volkes zur höchsten Glut entfacht hat, und den wach zu halten, die schönste und wichtigste Aufgabe der zionistischen Volkskongresse ist. Daß der „Jubiläumskongreß", der am 9. August in Basel 171

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