Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Bachar
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Indschil, das ist ein böses Gewächs, das sich im Boden ausbreitet und verschlingt und einen halben Meter tief Wurzel schlägt — auch hat er scharfe weiße Dornen und umkrallt die Wurzeln der Schößlinge und durchbohrt sie, ja jeder kleinste Stumpf der ausgerotteten Pflanze läßt sie, kaum mit Staub bedeckt, aufs Neue emporwachsen. Der ganze Bachar ist ja nur dazu da, um den Indschil mit Stumpf und Stiel auszurotten. Und wir, deren Auge noch nicht geübt genug ist, um die die Kräuter, die Wurzeln zu unterscheiden, wir haben ihn Stück für Stück unter den schweren Schollen begraben. Uns zittert das Herz! Was für eine Verantwortung! Auf diesem Boden wird eine Bojare gepflanzt und wir verderben sie, bevor sie bepflanzt wird. So beginnt man über unserem Rücken zu stehen, uns über den Indschil zu belehren, wie er zu erkennen und zu behandeln sei. Die Arbeit mit der Hacke selbst braucht Belehrung, braucht Maß und Abgegrenztheit im Schwünge. Der aufgeackerte Boden muß eben sein, nicht hügelig — dazu das Netz des Indschil, das nach allen Seiten verstrickt ist — da muß man den Boden ringsherum vorsichtig zerstückeln, damit auch alle Wurzeln ausgerissen werden können — und inzwischen nähert sich dir schon das Knie deines Nachbars, man muß eilen, mit aller Vorsicht, aber ohne Rast, damit du nicht deinen Nachbar hinderst — und die Hände sind schon müde und schmerzhaft, die Finger kleben aneinander — die Hacke will von selbst aus der Hand fallen — atemlos und schweißbedeckt, fürchtest du noch, es könnte unversehens ein Stumpf des Indschil begraben werden — und da zieht schon voll Bestürzung der Besitzer des Feldes ein Stück des Unkrautes aus einer Furche hervor — wir hätten doch nicht so sehr eilen sollen; dann aber würde ihn jüdische Arbeit mehr kosten als die anderer. Einige verstanden die Situation und schlugen ihm vor, uns den Bachar in eigene Regie zu geben, auf unsere eigene Verantwortung, er solle uns nur einen Aufseher beistellen. Einige sträubten sich gegen den Antrag aus „Prinzip": „Der Arbeiter soll seinen täglichen Lohn haben, nicht Spekulation treiben." Was aber wird mit dem Bachar sein? Schließlich bekamen wir den Bachar in eigene Regie — nach Berechnung der täglichen Arbeitsleistung per Dunam — unser Herr zeigte sich zufrieden. Und von jetzt an sind wir selbst Herren unserer Arbeit. Sofort setzte man eine Ordnung fest: Sieben Stunden tägliche Arbeitszeit, nach jeder Stunde fünf Minuten Rast, dann wurde aus unserer Mitte ein „Pakid" gewählt, um in der Gruppe Disziplin aufrecht zu erhalten und über die Ordnung zu wachen. Der Beliebteste unter uns wurde gewählt, er schien zum Amte wie geschaffen. Dunkle, durchdringende und doch lächelnde Augen, schwarze Locken und gebräuntes Angesicht, ernst und sympathisch — ein „östlicher" Führer, wie er sein soll. Sofort wurde er auf Händen gehoben, und ihm zu Ehren wurden die Hacken geschwungen: „Hedad! Es lebe der Pakid!" Und wieder begannen wir die Arbeit, mit erhöhter Lust und Sachkenntnis. Mehr Geschwindigkeit liegt jetzt in dem Schwünge der Hacken, der Indschil wird, von wo es auch sei, mit der Wurzel ausgerissen — ja 147