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Palästina · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Der Bachar
Date
1911-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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Glied beteiligt ist, die vor allem in der Gemeinschaft erfolgt — solch eine Arbeit ist der Bachar, den sonst nur Araber ausführen. So benützten sie die „Grünheit" eines neuen Pardesbesitzers, eines Chowew-Zion, der eben erst aus Rußland gekommen war, gingen zu ihm und übernahmen seinen Bachar. Die Bewohner der Kolonie lachten über die Narrheit der Arbeiter, mehr noch über die Naivetät des Pardesbesitzers, der nicht die erfahrenen Leute gefragt hatte. Wahrscheinlich will er hier sein Geld los werden und stellt jüdische Arbeiter zu solch einer Arbeit. Juden werden einen Bachar machen? Solch eine schwere Arbeit paßt nur für grobe Araber, die für Geringes sich verdingen und Kraft haben, Berge zu entwurzeln — nicht iür „Jeschiwahkinder" und „Aufgeklärte". Wir aber gehen stolz einher — Pioniere einer neuen Arbeit, und wir werden sie bezwingen! Und da stehen wir schon auf unserem wirklichen Arbeitsfelde! Braches Land auf weite Ferne! Nackter, harter, finsterer Erdboden, und an uns ist es, ihn durchzupflügen, auf einen halben Meter Tiefe. Richtet unsere Hacken her — eins! zwei! — sie sind nur wenig staubig geworden. Wir schwitzen schon, ehe unser Herr zu uns treten kann und ehe wir wissen, wie so eine Arbeit zu beginnen sei. Zwei unserer Genossen, die „Initiatoren des Bachar" stehen leuchtenden Auges vor uns — sie haben schon gestern für uns Vorsorge getroffen, auf anderen Bachars die Arbeit angesehen, sie wissen schon alles und trösten uns, daß darin kein Geheimnis sei. Auf Kommando stehen wir in Reih und Glied, jeder mit seiner Hacke in der Hand und beginnen eine Grube zu ziehen von einem halben Meter Tiefe, die ganze Breite des Feldes entlang. Dann wurde das Feld in Streifen abgeteilt, parallel zu jener Grube, für jeden Mann ein Streifen. Der Eine stand nun in der Grube, am rechten Rande, begann den ersten Streifen durchzupflügen, warf die Erde nach links in die Grube und verschloß diese und öffnete zugleich eine neue Grube — und der Zweite tritt in diese neue Grube, pflügt den zweiten Streifen durch und wirft die Erde in die Grube des Ersten, um diese zu verschließen — und der Dritte steht schon in der neuen Grube, so geht es fort. Alle treten so der Reihe nach in die Arbeit ein, einer nach dem andern eine Grube öffnend und eine verschließend und so zeigt sich bald der ganze Boden auf einen halben Meter Tiefe umgegraben und alle Pflügenden stehen in geordneter Reihe, der Diagonale nach und keine zwei können im Gleichtakt arbeiten (sonst würden sie mit den Hacken aneinanderschlagen) sondern immer einer dem andern voraus und so drängt einer dem andern nach und läßt ihn nicht innehalten. Alles ordnet sich durch die eilige Arbeit von rechts nach links und es bilden sich Reihen, eine immer kürzer als die andere. Man hört ein mächtiges Kraftgetöse, die Hacken schwingen und hauen gewaltig drein und man schluckt Erde, die Schollen fliegen auf und fallen nach rückwärts mitsamt dem Unkraut darinnen. Plötzlich erhebt sich ein Schreckensruf, daß wir starr bleiben — zwischen den Kräutern ist auch der „Indschil" begraben. 146

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