Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Bachar
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wir entdeckten neue Methoden in der Anordnung der Arbeit, und es gibt sogar schon einen fachlichen Disput: ob die Hacke mit der Rechten zu greifen und mit der Linken zu schwingen sei oder umgekehrt. Und unser Aufseher geht umher und belobt die, welche tief gehackt haben und ärgert sich lachend, wenn einer unter dem Maße geblieben ist. Und wieder neigt sich der Tag. Alles bereitet sich gleichsam, die Zauber des Abends zu empfangen. Die Sonne steht noch in einiger Höhe über dem Horizonte, eine keusche, milde Sonne, die freundlich den Arbeitenden lächelt — und schon sind die sieben Stunden vorüber. Wie ein schwarzer, schöner Teppich breitet sich vor uns das aufgeackerte Feldstück. Man beginnt den Graben zu reinigen, nach allen Seiten zu glätten, die Abteilungen schön auseinanderzuhalten — sollen die Kolonisten, welche morgen unseren Bachar zu besuchen kommen, sehen, daß Juden etwas Schönes und Ordentliches mit ihren Händen schaffen können — — Auf den umgebenden Feldern standen noch die Araber und arbeiteten. Und wir, ohne unserer Müdigkeit zu achten, gingen zu einem und dem anderen Bachar, ihre Arbeit zu betrachten — und sahen, daß unser Bachar nicht schiechter war als der ihre. Tag um Tag verstrich. Unser Bachar wurde in der ganzen Umgebung berühmt und unsere Arbeiter nannte man „Bacharanim" — ein „Bacharan", das galt uns ein Ehrenname. Man nannte sich so mit Selbstbewußtsein; wer einen „Bacharan" beleidigte, von dem schieden sich alle Leute vom Bachar, und wer keiner war, wurde mit einem verachteuden Lächeln empfangen. Ein förmlicher Krieg entbrannte zwischen denen vom „Bachar" und vom „Pardes". Die letzteren gingen täglich vorüber, auf dem Wege in ihre Bojaren, sogleich verließ man die Arbeitsgeräte und warf sich auf jene Schwächlinge. Unser „Pakid" behauptete, daß jene Arbeiter nur elende „Manufakturarbeiter" seien, waren doch ihre Hände weiß und ihre Kleider sauber (natürlich im Vergleich zu unseren Händen und Kleidern). Kam ein „Pardessianer", dann empfing man ihn mit über und über schmutzigen Händen und begann ihm nach dem Gesichte zu greifen. Er floh — und die groben „Bacharanim" warfen dem Aristokraten noch Erdstücke nach. (Fortsetzung.) \ Kurze Nachrichtenschau. — In Raphia nahe der Südgrenze Palästinas wurden von einigen Privatgesellschaften aus Rußland und aus Jaffa 50.000 Dunam Boden angekauft. — Rabbi Jakob Meir ist nunmehr endgiltig Chacham Baschi in Jerusalem. — Die angebliche Entwendung von Reliquien aus der Omarmoschee in Jerusalem durch englischeTouristen, erzeugt unter mohammedanischen Arabern eine sehr erregte Stimmung. Wie die Tageszeitungen berichten, wurde sogar ein Attentat auf den Paschah, den man der Mitschuld zieh, geplant und rechtzeitig vereitelt. 14S