Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die chemische Erforschung des Toten Meeres
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Jahre 1883 erschien eine Arbeit von B. Delachanal [11] „über die Zusammensetzung des Asphaltes oder Bitumens von Judäa". Anstoß und Anregung zur Beschäftigung mit dem Asphalt gab diesmal die Parasitologie, die den syrischen. Asphalt als Mittel zur Vernichtung der Phylloxera (Reblaus, siehe oben) und anderer Insekten erkannte. Es wurde in dieser Zeit viel über den Asphalt gearbeitet und wurden die Untersuchungen Kaisers, den Schwefelgehalt betreffend, bestätigt. Delachanal fand 3*02 Prozent Schwefel und nur 027 Prozent Asche und sagte: „Der Schwefelgehalt unterscheidet diesen Asphalt von allen anderen bekannten Asphalten. Bei trockener Destillation liefert er neben anderen Produkten Paraffin." Die Arbeit von Delachanal bildet den Uebergang zu der ausgezeichneten Studie, die Blanckenhorn [4], der sich um die Erforschung Palästinas sehr verdient gemacht hat, über Entstehung und Geschichte des Toten Meeres veröffentlichte. Blanckenhorn stützt sich auch auf die Theorie Kaisers, und auch für ihn ist das Vorkommen gebundenen Schwefels ein Beweis, daß der Asphalt nicht durch Oxydation des Erdöls entstanden sein kann. Doch fügt Blanckenhorn hinzu: „wenn, was ebenfalls denkbar wäre, der Schwefel des Asphaltes aus der Zersetzung von tierischen Eiweisstoffen herrührte, dann müßte auch ein entsprechender Stickstoffgehalt im Asphalt angetroffen werden, während doch in den bisherigen Proben der Stickstoff nur in Spuren nachweisbar war. Das Fehlen von stickstoffhaltigen Verbindungen, wie zum Beispiel Salpeter und Ammoniak, in der Nähe und Umgebung des Toten Meeres spricht ebenfalls gegen die Anwesenheit tierischer Zersetzungsprodukte". Nach demselben Autor zeigt sich die Imprägnation der Oberflächengesteine mit Asphalt als von unten heraufsteigend, was man am deutlichsten am südlichen Ufer des Toten Meeres bemerken kann. Die Kreidedolomite der Steingehänge weisen hier am Grunde sämtlicher Wadis einen höchst unregelmäßig verteilten Bitumengehalt auf, während im Senon, der Wüste Judäas, der schwarze oder braune Kalk in regelmäßigen Bänken erscheint. Beim Dschebel Usdum kann man beobachten, wie der reine Asphalt in die harten Dolomite eingedrungen ist und hier die Rolle eines ausgezeichneten Klebemittels übernommen hat, ein ganzes Konglomerat von Gestein und Asphalt festhaltend. Analysiert hat Blanckenhorn den Asphalt selbst nicht, sondern dies seinem Schüler Sachse [50] überlassen, der einige Jahre später seine Resultate veröffentlichte. Der Asphalt, den Sachse untersuchte, lag in einem Stück von vollkommener Reinheit vor, wie er von den Wellen ans Land geworfen wurde. Als Fundort gibt Sachse die Nähe des Dschebel Usdum am Ufer des Toten Meeres an. Besonders auffallend war der starke Ichtyolgeruch auf frischer Bruchfläche. Der Bruch ist glatt, muschelig, die Masse spröde. Durch Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Terpentin und Petroleum wird er leicht und vollständig gelöst, durch Benzol, Aether und Alkohol schwerer und unvollkommener. Kali und Natronlauge wirken nicht auf ihn ein. Beim Erwärmen mit konzentrierter Schwefelsäure tritt der Geruch nach schwefliger Säure auf. Sachse schließt sich der Ansicht seines Lehrers Bla'nckenhorn an, wonach wir es beim syrischen Asphalt mit einem geschwefelten Produkt zu tun haben. In derselben Arbeit liegt eine chemische Analyse des Asphaltes vor, aus- 133