Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die chemische Erforschung des Toten Meeres
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379843-2383041--03596-2383084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
warum der Nachweis der Kohlensäure im Toten Meere so schwierig war, daß erst die neueren Arbeiten ihn bringen; er erklärt das durch die Tatsache, daß sich in so konzentrierten Laugen selbst beim Kochen der kohlensaure Kalk schwer abscheidet. „Die Bestandteile des Wassers des Toten Meeres" nennt sich eine Arbeit, die von H. Fleck [17a] im Jahre 1881 veröffentlicht wurde. Der Verfasser erhielt seine Wasserprobe durch einen Freund, der sie selbst geschöpft hatte. Die Flüssigkeit reagierte neutral, enthielt weder freie, noch gebundene Kohlensäure, war schwach getrübt und schied nach längerem Stehen einen, wenn auch höchst geringen Bodensatz ab, welcher Pflanzenreste, aber keine Infusorien enthielt. In 100 Gramm Wasser waren enthalten: Chlornatrium......... 7*4051 Teile Chlorcalcium......... 3*5355 „ Chlorkalium......... 1*6900 „ Chlormagnesium....... 128105 „ Schwefelsaurer Kalk...... 01211 „ Bromnatrium......... 0*5024 „ Feste Bestandteile....... 26*0646 Teile Wasser............ 73*9354 „ 100 000 Teile Außerdem wurden qualitativ in nicht bestimmbaren Mengen Ammoniak, Eisenoxyd, Kieselsäure nachgewiesen. Das spezifische Gewicht dieser Probe war 1*1861 bei 15° Reaumur. Die Art und Menge der gelösten Substanzen lassen keinen Zweifel darüber, daß das Tote Meer, welches vom Jordan durchflössen und von diesem hauptsächlich gespeist wird, seinen Salzgehalt einem Steinsalzlager verdankt und vielleicht den magnesiumreichen Oberschichten eines solchen, die den Abraumsalzen ähnliche Salzgemische enthalten [17 b]. Zu ganz merkwürdigen Resultaten kommt auf Grund einer Analyse des Wassers des Toten Meeres L. Dieulafait [12 a] im Jahre 1884. Er wies nämlich im Wasser des Toten Meeres Borsäure und Lithium in ziemlich großen Mengen nach, woraus er schließt, daß das Tote Meer früher ein mit normalem Meerwasser gefülltes Becken gewesen sei, dessen Wasser nach Unterbrechung der Kommunikation mit dem Meere starker Verdunstung unterlegen sei. In einer anderen Arbeit [12 b] bespricht er die weite Verbreitung der Borsäure, deren Existenz in den Sedimentgesteinen er auf Niederschläge der Meere früherer geologischer Perioden zurückführt. Dieulafait ist aus der mir bekannt gewordenen Literatur der einzige, der Borsäure nachgewiesen haben will, während Lithium schon früher einmal beobachtet worden war. Wie sich dieses Vorhandensein von Borsäure wohl erklären läßt, wenn nicht nach der Theorie des Verfassers, ist eine Frage, die noch der Antwort harrt. Jedenfalls weiß auch die spätere Literatur von Borsäure im Toten Meere, und zwar „in ziemlich großen Mengen", nichts zu berichten. Und die letzten im Jahre 1907 vom Königsberger Professor Dr. A. Stutzer [54] angestellten Analysen führen Borsäuie auch nicht an. 128