Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die chemische Erforschung des Toten Meeres
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lagern von zwölf Zoll Dicke angehäuft haben, ähnlich wie man sie in der Nachbarschaft großer Gradierwerke vorfindet. Die Beladung des ausdunstenden Wassers mit Salzteilchen ist so groß, daß die Kleider der Reisenden wie mit Reif beschlagen aussehen [34]. Im See selbst wird alles organische Leben [9] mit Ausnahme einiger mikroskopisch kleiner Protophyten, nämlich Diatomeen des Süßwassers [14], und einiger pathogener Bakterien [38], durch den ungewöhnlichen Salzgehalt des Wassers vernichtet. Der große Gehalt an gelösten Mineralien verleiht dem Wasser einen so hohen Grad von spezifischer Dichte, daß ein Mensch darin nicht untersinken kann [4]. Der Asphalt, auf dessen reichliches Vorkommen schon der hauptsächlich bei den Franzosen übliche Name Asphaltmeer einen Schluß gestattet, scheint auf dem Boden des Sees abgelagert zu sein und wird in festen Stücken an das Ufer geworfen. Diese Stücke sollen, nacti Berichten der Alten, manchmal so groß gewesen sein, daß ein Kamel sie nicht hätte forttragen können [43, 5]. Neben diesem schönen porösen Asphalt, der auch für medizinische Zwecke Verwendung findet, treffen wir auch einen gröberen an, der längs der Küste gegraben wird und „Judenpech" heißt. Außer dem Asphalt befindet sich in der Nachbarschaft des Toten Meeres ein von Bitumen durchdrungener Kalkstein, der, wenn er gerieben oder erwärmt wird, einen dem Asphalt ähnlichen Geruch verbreitet, im Feuer entzündlich ist und unter Glühen ohne Flamme verkohlt [26]. Man nennt ihn den sodomitischen Stein, auch „Mosesstein". Im Orient wird er als etwas Geheimnisvolles betrachtet, und von den ältesten Zeiten her zu verschiedenen religiösen und mysteriösen Gegenständen verarbeitet, zu Amuletten und Aehnlichem. Ein großer Teil der Amulette, die in den Katakomben zu Saccara gefunden wurden, sind aus diesem Stein verfertigt. Doch alle diese Schätze, auf die man schon seit einem Jahrhundert aufmerksam wurde, als auf [60] Reichtümer des Landes, wo Milch und Honig fließt, sie liegen alle da und harren der Hebung [60]. Es scheint einem, wenn man an alle diese Naturreichtümer denkt, als wenn sie verzaubert dalägen. —-- Werfen wir nun einen Blick auf die bisherige chemische Untersuchung des Toten Meeres, so werden wir unser Material in drei Teile gruppieren müssen: a) Untersuchung des Wassers; b) Untersuchung des Asphaltes; c) Untersuchung des in der Nähe befindlichen Gesteins. Untersuchung des Wassers. Die ziemlich reichhaltige Literatur, welche die Untersuchung des Wassers des Toten Meeres zum Gegenstande hat, geht bis auf das Jahr 1778 zurück. Diejenigen Chemiker, die von Anfang an dieses Thema der Behandlung unterzogen, legten das Hauptgewicht auf den gesamten Salzgehalt des Wassers oder sein entsprechendes spezifisches Gewicht, Die Untersuchungen, die bis zum Jahre 1826, wo Baiard das Brom ent- 104