Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedingungen der jüdischen Bauernkolonisation in Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 10)
- Language
- German
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ist den Ueberfällen der räuberischen Araber viel mehr ausgesetzt, als eine Kolonie von 100 bis 200 Familien. Das kann man in Palästina täglich beobachten, besonders wenn man die großen judäischen mit den kleinen galüäischen Kolonien vergleicht. Auch die Wächter- und sonstigen Gemeindekosten können von einer großen Kolonie leichter getragen werden, als von einer kleinen Kolonie, weil die Gemeindeausgaben viel langsamer wachsen, als die Anzahl der Kolonisten. Bevor man an die Gründung neuer, rein landwirtschaftlicher Kolonien denkt, muß man unbedingt die schon bestehenden beträchtlich vergrößern und gründlich konsolidieren. Im Budget unseres Falles verschlingen die Gemeinde- und kulturellen Ausgaben sowie die Krankheitskosten jährlich 350 Franken, d. i. 10 Prozent der Bruttoausgaben und 24 Prozent der Nettoausgaben (d. i. nach Abzug der Kosten für die Produktion). Das ist eine ungeheuere Belastung des Budgets eines Kolonisten. In den großen Kolonien aber werden diese Ausgaben auch unter den gegebenen Lebensbedingungen sehr leicht auf die Hälfte reduziert werden können. In einer großen Kolonie werden auch bessere Bedingungen für den Absatz und für Nebenverdienste geschaffen, denn in einer großen Kolonie sind auch nicht-landwirtschafttreibende Elemente vorhanden, als Handwerker, Händler und Vertreter der liberalen Professionen (Synagogenangestellte, Schullehrer, Arzt). Eine große Kolonie kann auch billiger ihre kulturellen Bedürfnisse befriedigen. Zuletzt müssen wir noch einen Punkt berühren. In unserem Budget machen die Zahlungen für Zinsen und Amortisation an die Agrarkreditanstalt 300 Franken aus, d. i. 8 Prozent der Bruttoausgaben und 18 Prozent der Nettoausgaben. Auch dies ist unvermeidlich. Aber dieser Ausgabenposten gibt viel zu denken. Die Rente darf eine gewisse Höhe nicht übersteigen, wenn die Kolonisation überhaupt möglich sein soll. Und das führt uns zum Schlüsse, daß die Bodenkäufe sehr vorsichtig vorgenommen werden müssen. Leider sind wir nicht reich genug, um uns sagen zu können: „Wir kaufen den heiligen Boden, um welchen Preis es auch sein mag". Das ist unsinnige Ideologie, wir müssen praktisch rechnen. Wir müssen darnach trachten, den Boden so billig als möglich zu kaufen. Wie das zu machen ist, ist schon eine rein praktische Frage, die nur an Ort und Stelle und entsprechend den jeweiligen Umständen beantwortet werden kann. Im allgemeinen und rein theoretisch kann als nützlich erscheinen : Zusammenfassung der Bodenkäufe in der Hand einer einzigen Organisation, was eher die Bodenpreise auf einer bestimmten Höhe erhalten könnte. Abgesehen von den Bodenparzellen neben den jetzt existierenden kleinen landwirtschaftlichen Kolonien, die angekauft werden müssen, um die Kolonien zu vergrößern, dürfen nur große zusammenhängende Bodenstücke angekauft werden. Vor etwa acht Jahren bot mir ein Genfer Ingenieur, der mit Palästina gut vertraut war, den Ankauf von ausgedehntem sumpfigem Boden zu einem Spottpreis an, nach Durchführung von Drainagearbeiten konnten diese Moräste in sehr fruchtbaren Boden verwandelt werden und der Preis des Dunams wäre doch nur acht bis zehn Franken. Ich habe damals den Vorschlag der zionistischen Zentralleitung übermittelt, aber damals wollte man von solchen Dingen nichts hören. Vielleicht ließe sich jetzt in dieser Beziehung etwas machen. 98