Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedingungen der jüdischen Bauernkolonisation in Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 99 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379838-2379842-2382966--03540-2383006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jedenfalls aber müssen wir immer im Sinne haben, daß der Bodenpreis der Rentabilität entsprechen muß, und wir müssen alles vermeiden, was irgendwie eine Bodenspekulation hervorrufen kann. Die Lage der rein landwirtschaftlichen jüdischen Kolonien in Palästina ist eine kritische. Man hat ziffernmäßig nachgewiesen, daß es nicht an der Bodenfruchtbarkeit liegt. Man hatz. B. ausgerechnet, daß, während ein Hektar russischen Bodens im Durchschnitt 69*75 Franken Reingewinn einbringt, man von einem Hektar palästinensischen Bodens 81*95 Franken Reingewinn, also um 17*5 Prozent mehr erzielt. Aber wir haben die ganze Kolonisation irrationell geleitet. Wir dachten nicht an eine organische Evolution, sondern an einen plötzlichen Schöpfungsakt. Das hat sich gerächt. Wir müssen zur natürlichen Kolonisation zurückkehren. Diese aber besteht im Anfangsstadium nur in folgendem: vor allem Bauern, die alle ihre Bedürfnisse durch eigene Produktion befriedigen, die also zuerst in extensiver Form in allen Zweigen der reinen Landwirtschaft sich betätigen! Extensive, aber variierte, vielseitige Landwirtschaft — das muß die Grundlage einer gesunden Bauernkolonisation sein! Und wir wollen gerade jetzt darauf hinweisen, damit die Begründer der landwirtschaftlichen Siedlungsgenossenschaft nach Oppenheimers Voschlag alle diese Umstände berücksichtigen, denn nach unserer persönlichen Meinung hängt vom Ausgange dieses Versuches sehr vieles ab. Sonst schreibt man dem kooperativen Organisationsprinzipe auch solche Uebel zu, die in der Kolonisation als solcher, welcher Art sie auch sein mag, begründet sind. Aber auch wenn wir wirklich die Privatinitiative anregen wollen, müssen wir die schon existierenden Getreide produzierenden Kolonien auf gesündere Basis zu stellen trachten. Da ist jede Versäumnis ein schweres Vergehen. Und wir meinen, daß unser Palästinaamt erweitert werden muß, wie wir oben angedeutet haben, wenn es in Stand gesetzt werden soll, seine schwierige Aufgabe voll zu erfüllen. Und seine Aufgabe ist — ein wirkliches Kolonisationsamt zu werden. Mit unserem Artikel aber wollten wir nichts entscheiden, sondern nur anregen. Mögen kompetentere Kenner der Verhältnisse ihre Tatsachen und Meinungen mitteilen, um auf diese Weise schöpferische Momente herbeizubringen. Selbstverständlich bezieht sich alles, was wir vorgebracht haben, nur auf die rein landwirtschaftliche Kolonisation, die reine Bauernwirtschaft. Die Kolonisation, die auf Baumplantationen beruht (Orangen-, Mandel- und Olivenplantationen) ist ganz anderen Bedingungen unterworfen. Diese aber ist auch auf ganz andere Elemente im Judentum berechnet. Wenn wir jedoch in Palästina einen vollwertigen jüdischen Organismus schaffen wollen, so müssen wir auch die reine einfache Bauernwirtschaft entwickeln. Ohne Bauern — kein gesundes Volk. Die Plantationskolonien aber schaffen eher Gutsbesitzer, als Bauern. Wir sagen nicht: nur Bauernwirtschaft, aber wir behaupten: Bauernwirtschaft ist die Grundlage der neuen unlösbaren Verknüpfung des geschichtlichen Juden mit dem geschichtsreichen Boden: mit Erez-Israel. vv 99

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.