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Palästina · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedingungen der jüdischen Bauernkolonisation in Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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erforschen, die Weidewirtschaft entwickeln, mit einem Worte überall auf diesem Gebiete der Initiator und Lehrer sein. Wir stellen uns die Sache so vor, wie wir das schon in unserem Vorschlag (zusammen mit Dr. Soskin und Dr. Leo Kohan) auf dem VI. Zion. Kongreß projektiert haben. Dem jetzt schon existierenden Palästinaamt müßten ein V e t e r i n ä r ar z t ü n d ein Agronom, der auch mit der Milchwirtschaft vertraut ist, beigegeben werden, die in allen Kolonien tätig sein sollen. Und unsere Anglo-Palästina-Bank sollte unter entsprechenden Kautelen den Kolonisten Kredit speziell für Viehanschaffung gewähren, wozu man in jeder Kolonie eine Leihgenossenschaft mit gemeinsamer Haftung schaffen könnte. Jedenfalls, ohne auf alle Details einzugehen, glauben wir nur eines hervorheben zu müssen: die zionistische Organisation muß da eingreifen. Es handelt sich nicht bloß darum, den schon existierenden Kolonien aufzuhelfen, sondern wir müssen die praktische Kolonisation genau studieren, bevor wir von Massenkolonisation sprechen. Abgesehen davon, daß, wenn die jetzt existierenden Kolonien prosperieren werden, dadurch die Privatinitiative angeregt werden wird und die einfache Bauernwirtschaft auch solche Elemente gewinnen wird, die ein gewisses Kapital besitzen. Werden diese Kolonien gedeihen, so wird auch die kolonisatorische Tätigkeit der ICA. angeregt werden, die bekanntlich jetzt ihre palästinensische Tätigkeit auf ein Minimum beschränkt hat. Was wir im Sinne haben, ist keine philantropische Kleinkolonisation, sondern praktische Vorbereitung für Großkolonisation, die nicht von heute auf morgen gemacht werden kann. Und erst später, wenn der Bauer Palästinas sich stärker und gesicherter fühlen, wenn er kreditfähiger werden wird, erst dann wird er seine Wirtschaftstätigkeit weitet ausdehnen können durch Plantationen, speziell von Mandel- und Olivenbäumen und vielleicht auch von gewöhnlichen Obstpflanzen. Nur auf diese Weise, durch die Variation und Vielfältigkeit der landwirtschaftlichen Kulturen kann in Palästina der Typus des normalen jüdischen Bauern geschaffen werden. Und zwar auf natürliche Weise: von der extensiven Wirtschaft allmählich zur intensiven Wirtschaft. Manches können wir von den einfachen Arabern lernen. Haschen wir nicht sofort nach den besten Maschinen, nach den seltensten Pflanzenarten, sondern vor allem feste Wurzel fassen! Dann wird der Fortschritt auch ein bleibenr der sein. Die Wurzel aber muß eine vielfältige sein — entsprechend den verschiedensten Landwirtschaftsformen. III. Es gibt aber auch kolonisationshemmende Ursachen in Palästina, die nicht von uns abhängen, oder wenigstens nur zu einem geringen Teil von uns abhängen. Da ist vor allem die Frage von Nebenverdiensten. Obwohl manche in diesem Streben nach Nebenverdiensten seitens des Bauern die Anzeichen der Dorfzersetzung erblicken, so müssen wir doch damit rechnen. 96

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