Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedingungen der jüdischen Bauernkolonisation in Palästina
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
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Geflügelzucht, Weidewirtschaft, Viehzucht und Milchwirtschaft, wobei als Leitmotiv gelten muß: der Kolonist soll nicht so sehr nach Marktprodukten streben als danach streben, alle seine Bedürfnisse durch Eigenproduktion befriedigen zu können. Und da gelangen wir zum springenden Punkt in der traurigen Lage der Galiläer Kolonisten. Wir sind in unseren Berechnungen von den Angaben eines unverheirateten Kolonisten ausgegangen. Wir haben es absichtlich getan. Denn der verheiratete Kolonist ist fast in derselben Lage wie der unverheiratete — in Bezug auf Arbeitskräfte. Die Kolonistenfrau ist gewöhnlich keine Bäuerin und versteht von der Landwirtschaft gar nichts. All die Hilfswirtschaftsgebiete, wie Gartenwirtschaft, Geflügelzucht und Milchwirtschaft sind hauptsächlich auf die Frauenarbeit angewiesen, nicht etwa aus Tradition, sondern aus objektiver Notwendigkeit, weil der Mann die viel schwierigeren Arbeiten der Feldwirtschaft verrichten muß. Ohne richtige Frauenarbeit ist eine geregelte und erfolgreiche Bauernwirtschaft unmöglich. Die Frauenarbeit hat eben vor allem die unmittelbaren Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Die Frau ist die Ersparnis schaffende Kraft in der Bauernfamilie, während die Mannesarbeit die positiv schaffende Kraft ist. Und so kann die Frau (eventuell auch die Kinder) die Lohnarbeit - wenigstens zum Teil — in der Feldwirtschaft selbst ersetzen, bei dem Einsammeln der Hülsenfrüchte und beini Dreschen. Die erfahrene Bauernfrau erspart eine ganze Reihe von kleinen Ausgaben in der Haushaltung. Und nun entsteht die Frage: was ist da auf diesem Gebiete zu machen, d. i. wie verwandeln wir die städtische Jüdin in eine richtige Bäuerin? Eine sehr, schwierige Frage. Aber bevor wir sie beantworten, ist von einem Gedeihen der jüdischen Bauern in Palästina unmöglich zu reden. Wir wollen hier keine am grünen Tische ausgeheckten Pläne entwickeln, sondern wir möchten vor allem die Probleme aufstellen. Jedenfalls scheint uns, daß die PLDC. in ihrer Farm auch Frauen verwenden muß und speziell auf dem Gebiete der Hilfswirtschaften, bei der Gartenwirtschaft, Geflügelzucht und Milchwirtschaft. Außerdem sollte man vor allem fertige, sich anbietende jüdische Bauern mit ihren Frauen aus dem Golus (speziell aus den jüdischen Kolonien in Südrußland) kolonisieren, die durch ihr Beispiel auch auf die anderen Kolonisten anregend wirken würden. In den jüdischen Volksschulen Palästinas müßten die Kinder schon in ihrer Jugend praktisch die leichteren Formen der Landwirtschaft erlernen. Jede Schule soll unbedingt einen Gemüsegarten besitzen und pflegen, wobei der Sinn auf das Einfache, Landläufige, gerichtet werden muß. Und zu all dem ist die Hilfe von einem Zentrum aus notwendig. Es wird den Leser wohl überraschen, daß in Palästina die veterinärärztliche Hilfe fast vollständig fehlt. Das Vieh erkrankt, stirbt und keine Hilfe ist da. Dies war mit ein Grund, warum die Viehzucht sich in Palästina nicht entwickeln konnte. Ein erfahrener Veterinärarzt sollte nicht bloß das kranke Vieh pflegen, sondern müßte überhaupt die ganze Viehzucht leiten: er müßte die passendsten Viehrassen im Lande selbst studieren, ihre Ernährungsquellen 95