Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die archäologische Erforschung Palästinas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379841-2382882--03479-2382933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Als 1907 die Herren Kohl und Watzinger an diesen Platz zurückkehrten, verweigerten die Franziskaner aus besonderen Gründen die Erlaubnis zum Weitergraben. So weiß man immer noch nicht, ob jene Ruinen Ueberreste israelitischer Kultusstätten sind. Bemerkenswert ist ihre ausgesuchte Lage auf Höhen, von denen sich überall eine wundervolle Aussicht bietet. Die Vermutung ist nahegelegt, daß an diesen Stellen vielleicht der Höhenkultus ausgeübt wurde, gegen den die Propheten so wetterten, und daß in späterer Zeit an der Stelle jener alten hebräischen Heiligtümer Synagogen entstanden. Mit aller Energie muß aber nun endlich an eine Aufnahme aller dieser leicht freizulegenden Ruinenplätze geschritten werden. Neben den Synagogen existieren noch eine ganze Reihe römischer Tempelruinen von großem Interesse. Jeder Platz erfordert eine Arbeit von nur wenigen Wochen, und wird diese nicht bald geleistet, so verschwinden diese Zeugen der palestinensischen Baukunst bald vollständig, denn die Bewohner finden in ihnen wertvolle und bequeme Steinbrüche für ihre Hausbauten. Selbst die Franziskaner haben sich nicht gescheut, Steine von TQ.ll Hum in ihrem Kloster in Tiberias zu verbauen. Aus den aufgeführten Darlegungen über die gewonnenen Resultate v/erden Sie überzeugend erkannt haben, daß von allen Stellen bisher eine unvollkommene Arbeit geleistet worden ist und daß dies zum Teil an den ungenügenden Mitteln liegt, die bisher für diese Arbeiten zur Verfügung standen, und zum Teil an der Vielheit von Anfängen bei den Unternehmungen der Gesellschaften und der Nationen, die alle das gleiche Ziel verfolgen, wo aber sich jeder einen anderen Anfang suchte. Bei fast allen hat die Aufgabe die materiellen Kräfte überschritten, und als erstes und vornehmstes Ziel der weiteren Forschung wäre wohl zu empfehlen, daß ein Vermittler aufträte, der alle die gleichen Bestrebungen unter einem Hut vereinigte und unter einer Leitung. Dies wäre am besten zu erreichen durch die Gründung eines Forschungsinstitutes an einem der syrischen Plätze selbst — sei es in Jerusalem, sei es in Damaskus, Beyrut, Alexandrette oder anderswo. Soweit derartige Forschungsinstitute bestehen — in Jerusalem das der Deutschen Palästina-Gesellschaft, das Professor Dalmann leitet, die der französischen, englischen und russischen Palästina-Gesellschaften, das archäologische Institut der Franziskaner u. a. — sind alle einseitig theologisch geleitet und scheinen trotz ihrer großen Verdienste, die sie sich bisher erworben haben, nicht in der Lage, die Aufgabe in vollkommener Weise durchzuführen. Auch fehlen ihnen durchaus die Mittel. Der Interessenkreis ihrer Gönner und Mitglieder ist ein beschränkter, sodaß sie kaum imstande sind, das Bestehende weiter und größer auszubauen. Soweit es möglich 69