Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die archäologische Erforschung Palästinas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
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haben, einen Kostenanschlag für die zu leistende Arbeit feststellen, was bisher in den seltensten Fällen geschah. Man ließ sich möglichst viel Mittel zeichnen und verwendete sie so lange, als sie für die Forschungsarbeiten reichten. War nichts mehr da, so wurde aufgehört, bis wieder eine Geldquelle zur Fortsetzung floß. Ich kenne die Grabungen von Megiddo persönlich, während ich bei den übrigen Grabungsplätzen in Palästina aus den Berichten schließe, daß die technische Anlage oft verfehlt ist und daß die Abräumung eines Teils in Böschungen von außen her erfolgen muß und Versuchsgräben nur in kleinen Einschnitten ausgeführt werden dürfen, um ungefähr die Schichthöhen zu erkennen. Bei Durchschneidung von Teils mit Versuchsgräben sind stützende Konstruktionen unerläßlich, wenn nicht das Leben der grabenden Arbeiter gefährdet werden soll. Die Technik der Versuchsgräben dient nur dem Zweck, möglichst schnell auf irgend einen festen Punkt — eine Stadtmauer oder sonst dergleichen — zu kommen. Von einem solchen laufen die Grabungen dann in der gegebenen Richtungslinie weiter, weil es den Ausgrabenden drängt, möglichst schnell ihren Verlauf zu erkennen. Er läßt sich dabei verleiten, Erdmassen zu beseitigen, die bei solcher Geschwindigkeit meiner Meinung nach planlos beseitigt werden, um ein spekulatives Ziel zu erreichen. Es müßte hier unbedingt der Techniker neben dem Archäologen stehen und die Wissensneugier des letzteren zwingen, sich seinem auf technischen Grundsätzen beruhenden System unterzuordnen, das die Dinge vielleicht langsamer, aber korrekter zu einem Ende führt. Es müßte jedem Ausgrabenden zur Ehrenpflicht gemacht werden, einen Teil vollständig abzuräumen, denn nur eine vollständige Abräumung kann ein wirklich klares Bild von der Sachlage geben. Bei allen anderen Grabungsarbeiten bleibt ein Rattenkönig von ungelösten Fragen. In Tan'aach ist gegraben worden, um wertvolle Funde zu machen, es wurde mit fieberhaftem Eifer nach Inschriften gesucht. Die Geschichte Tan'aachs steht mit der des zwei Stunden von ihm entfernt liegenden Megiddo in Verbindung. Auch Tan'aach galt als eine der alten Kanaaniterburgen, welche die Israeliten nicht einnehmen konnten. Um 930 v. Chr. fällt es in die Hände des Aegypterkönigs und verschwindet dann aus der Geschichte. Es wird im Deboralied der Bibel erwähnt. Die Grabungen des Professors Sellin haben aus dem Schweigen der Jahrtausende einiges von dieser verschollenen Stadt ans Licht gebracht. Sellin hat seine Berichte endgültig abgeschlossen, dennoch bleiben unendlich viele Fragen ungelöst, und der Platz erwartet eine exakte und systematische Grabung. Die Arbeiten Sellins erforderten 52.000 Kronen. Wenn man bedenkt daß über eine Million Kubikmeter Boden zu bewegen wären, 66