Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die archäologische Erforschung Palästinas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
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lauf der Mauer die Stadt nicht eine so große Zahl von Menschen hätte aufnehmen können, als sie nach verschiedenen Berichten aufgenommen haben soll. So sagt Josephus, daß zur Zeit des Passahfestes 2,700.000 Menschen in Jerusalem weilten. Es war Robinson, der zuerst die Meinung aufrecht hielt, daß die zweite Mauer nördlich verlaufen sei. Er fand auch in der jetzigen Mauer Reste, die mit den gefundenen Ueberresten der zweiten Mauer in ihrer Struktur übereinstimmen. Der Anschauung, daß dies jene dritte Mauer sei, die Agrippa I. baute> um den nördlichen Stadtteil miteinzuschließen, begegnet Robinson mit der Tatsache, daß ca. 200 Meter weiter von der heutigen Mauer sich noch Ueberreste einer dritten Mauer befanden. Es bleibt also dabei, daß die Wahrheit nur durch erneute umfassende Grabungen ans Licht gebracht werden kann. Es mag auch hier der großen Masse gleichgiltig erscheinen, ob man nun tatsächlich das wahre Qrab Christi entdeckt oder nicht, und es mag vielleicht nicht erkennbar sein, welcher Fortschritt durch diese Entdeckung in der Zeitkultur hervorgerufen werden könnte. Aber jede Wahrheit — mag sie sich auch auf noch so fern liegende Dinge beziehen hat für die Menschheit ihre Bedeutung, und es ist oftmals der Fall, daß eine irgendwie und irgendwo entdeckte Wahrheit in irgend einem Menschengehirn, das sich an einer ganz anderen Stelle der Erde befindet, Kräfte auslösen kann, die der Gesamtheit in ungeahnter Form zu gute kommen. Deswegen soll und muß der Kulturmensch, wie ich das schon vorhin betont habe, jedes Streben nach Wahrheit unterstützen, gleichgiltig auf welchen Gegenstand es sich beziehe. In Jerusalem kommt noch als erschwerendes Moment für die Forschung hinzu, daß unter den Nationen und religiösen Gesellschaften ein oft unschöner Wetteifer herrscht, jene Stellen, die Spuren geschichtlicher Ereignisse zeigen, an sich zu reißen und mit Kirchen und Klöstern zu überbauen. So verschwindet das alte Jerusalem unter den Mauermassen prunkvoller Kirchenbauten aller Nationen, und diese Prachtbauten schließen die kärglichen Ueberreste alter Baudenkmäler ein, wie die gotischen Dome die Gebeine großer oder heiliger Persönlichkeiten. Die Erforschung der unverbauten Teile des heutigen Jerusalem um den Tempelplatz herum und die der Gebiete außerhalb der Stadtmauern würde bei intensiver Arbeit, sobald solche die jetzt freier denkende türkische Regierung zuließe, sicherlich wichtige Aufschlüsse über die alte Jebusiterfestung, die Davidsstadt, die Königsgräber und andere historische Stellen geben. Es sind jetzt nach dieser Richtung hin erst bescheidene Anfänge vorhanden. Was nun das übrige Palästina anbetrifft, so ist es, wie schon vorher erwähnt, topographisch und geographisch fast vollständig aufgenommen, so daß, wenn alle Publikationen, die 62