Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die archäologische Erforschung Palästinas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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genaue Beschreibung der Grabeskirche, und er berichtet auch zum ersten Male von den verworrenen Besitzrechten der verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen auf diesen sonderbaren Bau. Robinson und Tobler sind die ersten Wiederentdecker des heiligen Landes — ihre Werke, die Tausende von Seiten umfassen, sind die Quellen für die heutige Forschung, und sie beweisen, daß in Palästina mehr zu finden war als die paar heiligen Stätten, die die Mönche den Reisenden zeigten. Sie beweisen, wie sehr die Erforschung des Landes sowohl nach archäologischer Richtung als auch die Erforschung der Sitten der heutigen Bevölkerung zum Verständnis der Bibel beitragen konnte, und daß es noch ein völlig unbekanntes Land war, das nach einer Methode exakter Wissenschaft ohne religiöse Aspiration erforscht werden müßte. Die i m Jahre 1865 in London mit einem Kapital von einer Million gegründete Gesellschaft „The Palestine Exploration Fund" sendet eine Expedition unter Kapitän Wilson aus, die in wenigen Jahren alle Fragen lösen und Palästina vollständig wissenschaftlich erforschen wollte. Diese Aufgabe war in ihrer Fassung naiv und die Annahme der Möglichkeit ihrer Lösung ein Irrtum. Je weiter die Forschung schritt, desto mehr erkannte man, wie viele Fragen ungelöst bleiben mußten. Aber wir verdanken dieser Gesellschaft die Vervollständigung der geographischen Aufnahme des Landes. Von den Führern, Kapitän Conder und Leutnant Kitchener, dem bekannten Lord Kitchener des späteren afrikanischen Feldzuges, wurde in zwei Campagnen von 1872—1875 und 1877—1878 das ganze Land östlich vom Jordan aufgenommen und durch diese Arbeiten die Karten Robinsons ergänzt und richtig gestellt; während Robinsons Karte erst zirka 1800 Namen enthielt, war diese auf zirka 10.000 vervollständigt Jeder Hügel, jede Ruine, jede Quelle und Zisterne wurde angegeben, und zu dieser topographischen Aufnahme des Landes hatte die Forschung bis heute wenig hinzuzufügen. Durch ihre genaue Angabe aller Wege, der Handelswege über das Gebirge, der Zisternen, Ruinen und Quellen sind ortsferne Forscher in den Stand gesetzt, Schlüsse über die Lage der biblischen Plätze zu ziehen. Die Aufnahme des Ost-Jordanlandes konnte Conder nicht so vollkommen durchführen,da die türkischeRegierungSchwierigkeiten bereitete. Hier setzte 1878 die Deutsche Palästina-Gesellschaft, die zum Zwecke der wissenschaftlichen Erforschung Palästinas gegründet wurde, ein. Im Jahre 1884 nimmt in ihrem Auftrage der in Haifa ansässige Dr. Schuhmacher die Aufnahme des Djolan vor — einer Landesstrecke östlich vom Tiberias- und Hulesee, und im folgenden Jahre des etwas weiter südlich gelegenen Gebietes bis zumjarmuk. 1897 erfolgt die Aufnahme 58