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Palästina · 1909-01-01 · Heft 9-10 · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 9-10
Article
Die Juden von Jaffa nach Alter und Geschlecht
Date
1909-01-01
Page
Seite 209 (sequence 4)
Language
German
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dende Minderheit gebildet hatten, verheiratet. Damals waren die Maarawim die Tonangebenden, und deshalb heirateten auch die Aschkenasim maarawische Frauen. Es kam sogar vor, dass in einer Familie zwei Brüder Frauen aus anderen Gemeinden heirateten. Das alles beweist, dass die Beziehungen zwischen den Gemeinden früher viel enger und näher waren als jetzt. Die an Zahl geringeren Aschkenasim betreten mit den anderen zusammen, passten sich ihrer Lebensweise und ihren Lebensanschauungen mehr an, trugen dieselben Kleider, sprachen mehr arabisch als jetzt, kurz und gut, hatten mit den orientalischen Juden viel mehr Berührungspunkte als heute. Mit der Zeit aber vergrösserte sich die Aschkenasimgqmeinde., bis sie schliesslich die zahlreichste geworden ist. Je grösser sie wurde, desto mehr entfernte sie sich von den anderen Gemeinden, und, wie gesagt, bildet sie zurzeit eine Welt für sich. Wenn es auch jetzt vorkommt, dass Aschkenasim Frauen von anderen Gemeinden heiraten, so geschieht dies entweder von den hier geborenen, oder es haben die aus den anderen Gemeinden zur Ehegewählten schon Schulen besucht und sich vom Geiste des Orients schon etwas befreit. Dasjenige Mädchen, das schon einen feineren Geschmack hat, heiratet lieber den entwickelteren Aschkenasen, bei dem schon der Vorteil, dass er nicht zwei Frauen haben darf, vorhanden ist. Es soll hier noch von Details die Rede sein. Auch jetzt leben in- Jaffa einige Familien, die solche Namen wie Rasbinowski, Hornstein, Helman, Lurie u. s. w. tragen, und dennoch spricht man in diesen Familien nur arabisch, den jüdischen Jarjgon versteht man nicht. Die Söhne besuchen sephardische und teimonische Schulen und der ganzen Lebensweise nach sind sie den orientalischen Juden sehr ähnlich. Diese Familien stammen von jenen Aschkenasim, die hier noch vor 20—30 Jahren geheiratet haben und die es vorgezogen haben oder dazu gezwungen waren, die Sprache der Frau zu benutzen, und so haben die Kinder kein Wort Jargon zu Hause gehört. Es ist bekannt, dass die Sephardim, Maarawim u. s. w. den „Cherem vonRabenu Gerschom" bezüglich des Verbotes mehr als ain*e Frau zu haben, nicht anerkennen. Im Orient ist es erlaubt, etliche Frauen zu haben, und man sollte erwarten, dass auch in dieser Beziehung sich' die orientalischen Juden den Eingeborenen angepasst hätten. In 'Wirklichkeit aber kommt idiese Erscheinung unter den Juden verhältnismässig sehr selten vor, während man unter den muhammedanischen Einwohnern der Stadt mehrere finden kann, die zwei Frauen haben. Im ganzen leben hier nur fünf Juden, die zwei Frauen hatten, drei Sephardim und zwei Teimonim. Die ersten 209

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