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Palästina · 1909-01-01 · Heft 9-10 · p. Seite 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 9-10
Article
Dr. Paul Nathan an Jakob H. Schiff in New York
Date
1909-01-01
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
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Es müsste schliesslich alsdann noch ein Internat geschaffen werden für jene Kinder, deren Eltern nicht in Haifa wohnen und die von!auswärtds auf die Haifaer Schule gesendet werden. Kosten dieses Internats mit Einrichtung 60 000 Fr. Diesen einmaligen Ausgaben von rund 690 000 Fr. ständen bleibende Ausgaben gegenüber, die sich zusammensetzten aus Stipendien, die jenen jungen Leutn zu zahlen wären, die von auswärts gekommen die Haifaer Institute besuchen wollen, ohne über die genügenden Geldmittel zu verfügen. Es wird auf 20 bis 30 solcher Schüler zunächst zu rechnen sein, von denen jährlich jeder bis 600 Fr. zu zahlen haben würde, und es müssten ausserdem die Kosten für den Unterricht in allen Schulen jährlich vorhanden sein. Wenn die Institute in allen ihren Teilen in Betrieb sind, so wird für diesen Zweck jährlich ein Betrag von 80 000 Fr. wohl erforderlich sein, um die Zukunft des Instituts sicher zu stellen. Diesen Anforderungen gegenüber können nicht ganz unerhebliche Einnahmen an Schulgeld von den Kindern reicher orientalischer Glaubensgenossen, die das Institut besuchen, in Ansatz gebracht werden. Entwickelt sich der Orient, wie vorauszusehen, und nehmen an dieser Entwicklung des Orients unsere in der Türkei wohnhaften Glaubensgenossen einen hervorragenden Anteil, so wird es alsdann möglich sein, russische, galizische, rumänische Juden, die unter so furchtbaren Verhältnissen jetzt leben müssen, nach Asien hinüberzuführen und damit einen Teil wenigstens der Auswanderung, unter Umständen einen sehr erheblichen Teil der jüdischen Auswanderung von den jetzigen Zielpunkten, den überfüllten Kulturländern und von den Vereinigten Staaten ab- und in den Orient hinzulenken. Erwägungen der jüdischen Nächstenliebe und Erwägungen einer vorausschauenden jüdischen Politik mahnen gemeinsam unsere besser gestellten Glaubensgenossen in der ganzn Welt, sich der orientalischen Judenheit in dieser Schicksalsstunde anzunehmen. Unsere orientalischen Glaubensgenossen erscheinen dazu bestimmt, die Mittler zwischen der occidentalen Kultur einerseits und der langsam sich weiter entwickelnden Kultur des Orients andererseits zu werden. Als Semiten besitzen sie für diese grosse Aufgabe eine besondere Eignung; sie können für sich und die Menschheit damit eine welthistorische Aufgabe erfüllen und im Orient, nicht erdrückt von der vorgeschrittenen Kultur christlicher Völker, aber befruchtet von dieser Kultur, könnte die Judenheit erneut zu einer eigenartigen intellektuellen Blüte gelangen, ein Segen für sich, für das ottomanische Reich wie für die Menschheit. 197

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