Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Die Agrarbank
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Schritt halten können. Erst mit einer energischen Beteiligung der jüdischen Bevölkerung des Landes selbst werden befriedigendere Resultate zu erwarten sein. Ueberhaupt ist es äusserst ungesund, dass die Juden Palästinas nicht das allernötigste für sich tun können. Wer aber den Wohlstand der Juden Palästinas hebt, gibt ihnen auch die Macht, sich kulturell zu verbessern. Es liegt also auf der Hand, dass unsere Aktion in einem unentwickelten Lande, dessen jüdische Bevölkerung sich in den Städten innerhalb eines Menschenalters mindestens verfünffacht hat, an die grossen unbebauten Strecken flachen Landes denken wird, um dort möglichst rasch und möglichst viel Juden anzusiedeln. Die Ica, die ja wohl als objektiv in diesen Dingen betrachtet werden dürfte, hat in den letzten Jahresberichten das Reussieren der jüdischen Siedelungen anerkannt. Dutzende von anderen Vereinen und von Privaten können dasselbe bestätigen. Chalukahnehmer und Chalukahgeber verwerfen z. T. die Almosenpolitik, wünschen eine Gesundung des Judentums durch die Rückkehr zur Scholle, durch die Bebauung mütterlichen! Grundes, der Kraft und Segen spendet. Die „Jeschibah", die „Talmud Thora", die Volksschule des Hilfsvereins, der A. I. U., der Chowewe Zion dürfen keine früheren Schüler aufweisen, die Schnorrer und Tagediebe werden. „Mikweh Israel" und „Kirjath Sefer", — die beiden Landwirtschaftsschulen haben ihren Zweck so ziemlich verfehlt, weil die herangebildeten Zöglinge keine Mögleichkeit finden, sich als Bauern anzusiedeln. (Der gute Versuch mit Kineret!! durch die P. L. D. C. hat bekanntlich mit unserer Frage nichts zu tun. Seine Tragweite liegt hauptsächlich auf dem Gebiet der Arbeiterfrage.) Die Panacee für diese grossen Wunden an der Judenheit Palästinas ist die Errichtung einer Agrarbank. In Palästina selbst ist es klar, dass die Begründung einer Agrarbank die einzige grosszügige und durchgreifende Massregel darstellt, das Problem der sozialen Frage zu lösen und den nationalen und kulturellen Forderungen des Landes eine materielle Unterlage zu bieten. Aber natürlich nur dann, wenn die Agrarbank die Ansiedelung von grossen Massen ins Werk setzen kann. In nichtzionistischen Kreisen sind derartige Fragen erst in letzter Zeit mit Ernst und in aller Wissenschaftlichkeit diskutiert worden. Die allgemeinen jüdischen Zeitschriften können diesen Vorschlag totschweigen. Sie werden dann aber nicht unsere Zeitschrift, sondern die Lebensinteressen der Juden Palästinas schädigen. Denn wenn uns auch der Raum zu weiten Auslassungen fehlt, soviel wird unser kurzer voriger Hin- 188