Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Die Agrarbank
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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haben, dass sie eine Sprache erlernen und wäre es die heiligste; auf der anderen Seite aber hungern und wegen ihrer Armut geistig und körperlich entarten. Denn in den Städten Palästinas entsteht ein grauenerregendes unglückliches Proletariat. Der grosse rasche Zuzug hat Handwerk lind Kaufmannsstand überfüllt. Neue Industrien wurden fast keine gegründet. Aber die Immigration hält an, und die Vermehrung der Chalukah-Juden, die fast noch als Kinder heiraten, ist eine schier unermessliche: „Seid fruchtbar und vermehret euch!" ist ihre Devise. Da können wenige Schulen, die Begabte die Technik, das Kunsthandwerk, fremde Sprachen etc. lehren, nicht mehr allein nützen. Den Massen der Durchschnittsmenschen, dem Gros wird durch kein Technikum, durch keine Kunstschule geholfen; es wird darben oder auswandern müssen. — Nur wenn ein kaufkräftiges Hinterland hinter den Städten stünde, könnten diese einen stetig wachsenden, wohlhabenden Arbeiter-, Handwerker-, Kaufmann- und Akademikerstand bergen. Wenn viel Geld aus dem Ausland z. B. für Wein, Orangen, Oele, Getreide etc. in die Dörfer strömt, so teilt sich dieser Segen den Leuten in der Stadt mit und bildet den Stäidten ein Aequivalent für das Abströmen des Goldflusses, der z. B. durch die Beschaffung industrieller Produkte des Auslandes bedingt ist. Heute lebt dagegjen — sagen wir — Jerusalem? nicht vom eigenen Land, sondern von Gaben des Auslandes, die langsam von einem Haus zum anderen gehen, bis das Geld für die Waren oder dergl. schliesslich nach Europa, für Lebensmittel evtl. auch für gewisse Arbeitsverrichtungen an die Araber, z. T. auch als Abgaben an die Reichskassen verloren geht. Ein dauernder Wohlstand wird auf diese Weise nicht erzeugt. Gegen dieses „Luftmenschentum" helfen keine Schulen, helfen nur zweckentsprechende nationalökonomische Massregeln. Aber diese einzelnen Organisationen haben noch einen persönlichen Grund, die Existenz der palästinensischen Juden auf feste Füsse zu stellen. Mit zunehmender jüdischer Bevölkerung in Palästina wachsen die Bedürfnisse nach Schulen, Kranken-, Speise-, Waisen-, Siechen-, Irrenhäusern, für Bibliotheken, Volkshallen, Museen etc. Die Kosten für eine grosse Zahl dieser unbedingt nötigen Institutionen werden heute vom Ausland getragen. Allein trotz dieser Unterstützung genügen diese charitativ - sozialen Einrichtungen noch nicht. Es ist auch so gut wie ausgeschlossen, dass bei dem stetigen Wachsen der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas hygienische und Volkseinrichtungen mit der Entwicklung und mit den Bedürfnissen auch nur annähernd 187