Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Petach-Tikwah
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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heute schon auf 160 Dunam Land. Hier arbeitet alles mit frohem Mute, man ist auf die bisherigen Erfolge stolz und erhofft immer grössere. So werden die Mandelbäume bald Früchte tragen. 4 000 Dunam Land sind damit verpflanzt, was allein einen jährlichen Ertrag von 125 000 Frc. abwerfen wird. Nach der Eigenart und Lebensweise seiner Kolonisten bildet Petach-Tikwah ein Mittelding zwischen Dorf und Stadt. Schöne grosse Häusler, Strassen, dann auch kleine, finstere Gässchen. Die Mehrzahl der Kolonisten sind Unternehmer. — In geistiger Hinsicht sind die Kolonisten kleinstädtisch, fromm und fanatisch. Die Frommen haben die Führung und suchen jede freie Regung zu unterdrücken. Doch hält viele ihre Frömmigkeit nicht ab, Chalukah-Spenden zu nehmen, obgleich sie wissen, dass sie reicher sind als die Spender. Das wird hier nicht als Schande angesehen, uegen diese Frommen Ibildet sich -eine Gegnerschaft. Ihre Organisation „Zeiri Petach-Tikwah" zählt zwar erst 44 Mitglieder, sie kämpfen aber) doch tapfer für ihre Ziele und nicht ohne Erfolg. Ein freieres Leben und eine gerechtere Verwaltung der Kolonie, das erstreben sie vor allem. Wie alle anderen jüdischen Kolonien hat auch Petach-Tikwah Selbstverwaltung. Alljährlich wird aus den Kolonien ein Komite gewählt, das die Geschäfte zu führen hat. Es führt die Verwaltung, bestellt und bezahlt die Wächter der Kolonie, den Arzt, Apotheker, Rabbiner, Schochet, erhält die Synagoge, zahlt die Abgaben an die Regierung, sorgt für die Aufrechterhaltung der Ordnung, hebt die Steuer ein und hält Gericht. In Europa hält man eine Selbstverwaltung der Juden für unmöglich; sie können keine Disziplin halten, sagt man. Wer sich die Selbstverwaltung der jüdischan Kolonien Palästinas ansieht, wird von dem Irrtum bald geheilt sein. Schulgeld wird nach Vermögensverhältnissen festgesetzt; es ist gering, wird auch ganz erlassen. Ebenso in der Talmud Thora. Dieses Institut wird grösstenteils von einem Jerusalemer Verein erhalten. Für die Schulen gibt die Ika jährlich 10 000 Frc, 8 000 bringt die Kolonie selber auf. Auch zwei gut gehende Privatschulen gilbt es. Die Mädchen- und Knabenschule und der Kindergarten stehen runter der Aufeicht eines eigenen Komites, die Talmud Thora unter dem Jerusalemer Verein. — Von den Vereinen der Kolonie sind besonders 2 'Krankenvereine und eine Darlehenskasse wegen ihrer enspriesslichen Tätigkeit -anzuführen. Tagsüber;ist alles draussen bei der Arbeit Nach der Arbeit wirds erst in der Kolonie lebendig. Die Alten versammeln sich in der Synagoge, um Gemarah zu lernen, die Jungen finden sich in den Bibliotheken ein — eine für die Kolonisten 'und eine für die Arbeiter. Andere wieder musi- 167