Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Petach-Tikwah
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zieren. Bei Anbruch der Nacht ist alles wiederum still. Man ruht von des Tages Mühen aus und sammelt frische Kräfte für den kommenden Morgen. Das Leben in Freiheit, enge Berührung mit der Natur, geben dem Juden hier wieder, twas ihm so lange das Gorsleben geraubt. Wie hier jüdische Kinder aufwachsen! Sie fühlen sich hier, wie im Paradies. Will man, dass jüdische Kinder eine glückliche Kindheit verbringen, <so muss man sie nach Palästina schicken, wo sie ein jüdisches Leben leben, unter fröhlichen Liedern zugleich aufwachsen mit der hebräischen Sprache. Die Jugend fühlt 6ich hier mutig, zugleich unerschrocken, meidet keinerlei Gefahren, findet ^ein Vergnügen im Reiten, Schiessen, kurz in einem Leben, das uns bis jetzt so fremd gewesen. Deshalb ist auch die Jugend so gesund und kräftig. Einen grossen Uebelstand gibt es in Palästina und besonders in Petach-Tikwah, dass sich das ökonomische Leben der Juden auf der Arbeit der Araber aufbaut. Der Araber verdient »durchschnittlich 1 Frc täglich. Für seine Bedürfnisse gerade genug. Er wohnt in einer Lehmhütte, seine Kleidung besteht aus Hemd und Kittel, .seine Nahrung ist sehr einfach. Besitzt er noch ein Stückchen Land, so erspart er sich in der Regel noch einen Teil seines Einkommens. Die arabischen Dörfer, die sie in der Nähe der Kolonien, wo sie Arbeit finden, (anlegen, werden zusehends reicher. Der Araber hat grosse Fehler. Gar nicht davon zu reden, dass die jüdische Erde nur dann wirklich jüdisch sein wird, wenn sie jüdische Hände bearbeiten: Auch abgesehen davon, dass es nicht unser Ziel ist, in Palästina jüdische Grundbesitze zu .schaffen, sondern jüdische Ackerbauer, jene wirtschaftliche Klasse, ohne welche eine selbstständige Wirtschaft nicht möglich ist. Ich will nur vom ökonomischen Standpunkt der Kolonie reden. Die arabischen Arbeiter entziehen der Kolonie Petach täglich 1 000 Frc. Und von diesem Geld kommt nicht ein Heller wieder in die Kolonie. Alles führen sie zu sich ins Dorf. Wenn sich aber jüdische Arbeiter in der Kolonie befinden, so bleibt ihr ganzes Einkommen (in der Kolonie s'elbst. Und dann können wieder Krämer und arme Kolonisten leben, die Lebensmittel verkaufen, oder Wohnungen vermieten. Ausserdem haben die jüdischen Arbeiter noch einen grossen Vorteil: Sie sind treu und ergeben. Der jüdische Arbeiter stellt zwar höhere Ansprüche als der Araber, aber überall sind auch die Kolonisten geneigt, dem Juden mehr zu zahlen, und zwar nicht aus Idealismus, sondern weil es sich besser lohnt. Der Kolonist fürchtet aber die Politik der jüdischen Arbeiter, seine fortwähren.den Streiks sehr. In Peta,ch-Tikwah wohnen jetzt ca. 150 jüdische Arbeiter, darunter auch »einige Mädchen. Die meisten sind erst 168