Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Eine Vereinfachung der Malaria-Bekämpfung?
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 3)
- Language
- German
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ständnis der Bevölkerung gewisse Anforderungen, denen nicht immer entsprechende Erfolge gegenüberstehen. Der Grund des Misserfolges ist mieist der, dass die Massnahmen nicht systematisch genug und vor allem auch nicht ausnahmslos zur Anwendung gelangen. Man würde aber wirksamer und weniger 'umständlich verfahren können, wenn es gelänge, die Massnahmen sachlich und zeitlich auf die Momente zu beschränken, wo sie sicher ihre Wirkungen entfalten können. Solange die verschlungenen Pfade der Malaria nicht genügend erkannt sind, wird zweifellos viel Energie zwecklos vertan, weil die Massnahmen auch dort und dann, wo sie tatsächlich überflüssig sind, angewandt werden. Dadurch werden sie weniger lückenlos, weniger wirksam, und das Ende ist Misstrauen und völliger Verzicht auf die Prophylaxe. Eine genauere Bestimmung der Daten gestattet dagegen, die Massnahmen an vielen Punkten zu beschränken oder einzustellen, dagegen auf einige bestimmte Punkte umso energischer zu concentrieren. So ist mit weniger Arbeit mehr Erfolg zu erzielen. Solche genaueren Bestimmungen gibt Chargas bezüglich der Zeit und des Ortes, an denen die Mücken — wenigstens dort in Südamerika — zu stechen pflegen. Es handelte sich um' 3 verschiedene Unternehmungen gelegentlich des Baues brasilianischer Eisenbahnen in stark versumpften Gegenden. Dabei wurden mehrere Methoden miteinander combiniert. Es galt nicht nur zu verhindern, dass die inficierten Mücken gesunde''Menschen stechen, sondern auch, dass gesunde Mücken sich an erkrankten Menschen inficieren. Bei der Unternehmung I wurden 1.) die an chronischer Malaria erkrankten Eisenbahnarbeiter während der Na cht isoliert (über den Sinn dieser durchaus neuen Massnahme folgen weiterhin einige Ausführungen); 2.) wurden die acut Erkrankten in vor dem Eindringen von Moskitos geschützten Krankenräumen mit Chinin behandelt; 3.) wurden die Wohnhäuser wöchentlich mit Schwefel ausgeräuchert, und 4.) wurden die Gesunden nachts in geschützten Baracken untergebracht und alle drei Tage mit Vs g. Chinin prophylaktisch behandelt. Bei »einer anderen Unternehmung beschränkte man sich auf Chininbehandlung und Isolierung während der Fieberanfälle. Die uns interessierende neue Massnahme ist die n ä c h t liehe Internierung chronisch Erkrankter in geschützten Räumen mit Doppeltüren und Fenstern, die mit Drahtnetzen von 1 mm Maschenweite versehen waren. Der Autor hatte nämlich die Beobachtung gemacht, dass die Mücken nicht, wie meist angenommen wird, vom Eintritt der Abenddämmerung bis Sonnenaufgang zu stechen pflegen, sondern dass diese Zeit der Infektionsgefahr auf gewisse Stunden beschränkt ist, die von Tierspecies, Licht und Temperatur abhängig und genau 160