Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Von den englischen Ausgrabungen in Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 4)
- Language
- German
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ein zweites ähnliches Mauerwerk zu Tage, und zwischen beiden läuft ein roh gepflasterter Weg zur Stadt hinauf. Das Gebäude scheint demnach ein grosses Tor gewesen zu sein, das den Stein weg übe Machte. Aber die Frage wird immer verwickelter, als 10 Fuss innen von der Linie, wo sich die Stadtmauer hätte hinziehen müssen, noch eine zweite parallel laufende Mauer freigelegt wird, in der sich abermals eine Toröffnung für einen selbständigen Ausgang findet Was hat die ganze rätselhafte Anlage zu bedeuten? Vier Wochen trägt Macalister sich' mit dem Dunkel dieser Frage, dann fällt ihm eines Abends an der Handidier Funde und einer genauen Zeichnung Licht auf das Problem, und es ergeben sich ihm folgende Schlussfolgerungen : 1. Die räumliche Nähe der beiden Tore und ihre JBeziehung zu einander fordern offenbar eine Erklärung. 2. Beide Tore stammen aus derselben Periode ,unü zwar, wie die mit ihnen ausgegrabenen makkabäischen Töpferwaren bestätigen, iaus der Makkabäerzeit. 3. Dann kann die zweite innere Mauer nicht die alte innere Stadtmauer sein, die zur Makkabäerzeit längst zerstört war. 4. Sie kann um ihrer Lage willen aber auch nicht mit der äusseren Stadtmlauer in Verbindung gebracht werden, sie ist also überhaupt kein Teil der Stadtmauer. 5. Ist der Schluss richtig, dann gehörte das Mauerwerk einem' hervorragenden Gebäude an, dessen Bewohner zu jeüer Zeit das Recht des freien Aus- und Eingangs in der Stadt hatte. Ein solcher war in der Makkabäerzeit der Gouverneur. 6. Das führt unwiderruflich« auf das Haus, das sich Simon laut 1. Makk. 13, 48 nach der Eroberung in Geser erbaute. Macalisters Ergebnis, das ihm' im Anfang selber sehr fern gelegen hat, ist also, um es kurz zu sagen: In dem fragwürwürldigen Hause liegt die Burg des Simon Makkabäus vor. Zu diesem Ergebnis fügt sich auch der ganze übrige oben geschilderte Befund vortrefflich: Die Lücke in der Stadtmauer tet dusch Simons Belagerungsturm gebrochen (1. Makk. 13 43), zu dessen Aufstellung die erhöhte Fläche vor der Stadtmauer draussen eine einzig günstige Gelegenheit bot. In die Bresche wurde dann dann als eine Art von Zitadelle Simons Palast liineingebaut; das Baumaterial lieferten die umherliegenden Mauertrümmer. III Also kein Kreuzfahrerschloss, sondern eine Makkabäerresidenz — sjo lautete die neue Hypothese.' Liess sich für sie ein Tatsachenbeweis erbringen, der die Mutmassung, die Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit erhob? Die Durchstöberung der einzelnen Räume des Hauses brachte nur die Gewissheit, dass es bis aufs äusserste geplündert und dann zer- 157