Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zeitungsboykott in Jerusalem
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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die Jerusalemer und palästinensischen Juden nicht in dem gewünschten und erhofften Masse dem Aufruf für die Armenier entsprochen haben, mit gutem Grunde auf die Tatsache hin, dass hier, mit wenigen Ausnahmen, jeder braucht, was er hat und meist selbst auf Unterstützung angewiesen ist, und mir ein Schelm mehr gibt als er hat. Dr. Masie hätte wohl auch, obwohl das Verhalten der anderen niemals einen Massstab zur Beurteilung des eignen Verhaltens abgeben darf, einen Vergleich anstellen dürfen, wieviel denn eigentlich von christlicher und muhamedanischer Seite für die Armenier geschehen ist und welche Teilnahme die gemordeten und geplünderten Juden in Russland ausser ihren Glaubens¬ und Volksgenossen gefunden haben? Der Vergleich wäre sicher nicht beschämend für die Juden ausgefallen, welche ihrer Wohltätigkeit in der Regel durch keinerlei engherzige Reflexionen über Konfessions- und Volksangehörigkeit irgend welche Schranke setzen lassen. Jedenfalls hat aber Dr. Masie sehr wohl daran getan, wenn er dem in der „Sturm, und Drangperiode" sich befindlichen, überschäumenden Herrn Ben Abi einen festen Zügel angelegt und ein entschiedenes strafendes: „Bis hierher und nichtweiter", zugerufen hat, denn es ist nicht abzusehen, zu welch schweren, verhängnisvollen Komplikationen und Katastrophen eine solche von Herrn Ben Abi für opportun gehaltene jüdische Politik schliesslich noch führen kann. Das Auftreten und Einschreiten des Herrn Dr. Masie hat dann auch weiterhin im ganzen Lande ein lautes Echo gefunden und auf allen Seiten zu weiteren Entrüstungs-Kundgebungen gegen den „Hazewi" und seinen verantwortlichen Leiter Veranlassung gegeben. Von Jaffa, Rischon le Zion, Gederah, Petach Tikwah und anderen Kolonien, von Hebron, Haifa', Beirut und anderen Orten regnete es geradezu von Briefen und Protestartikeln über den ratlos dastehenden Redakteur, während gleichzeitig die mit der Post gesendeten Nummern des „Hazewi" als refüsiert wieder zurückkamen und den Austrägern in den Strassen von Jerusalem die einzelnen Nummern aus den Händen gerissen, zerfetzt und auf der Strasse zerstreut wurden. Daneben harren jetzt aber auch eine Zahl anderer hebräischer und — sit venia verbo — jargonistischer Blätter auf einen starken Anteil und Abfall bei der Liquidation des „Hazewi" und ist es vielleicht hier im Zusammenhang auch der Ort die jüdische palästinensische Presse Revue passieren zu lassen. Ausser dem „Zewi" und „Habezeleth" erscheinen jetzt hier noch in hebräischer Sprache der „Poel hazaii", das Organ der zionistischen Arbeiterpartei, der „Haomer", eine literarische Vierteljahrschrift und allgemeine Rundschau und ein eben erst auf den Plan getretenes, zunächst auf eine wöchentlich zweimalige Ausgabe berechnetes Blatt „Cherut" (die Freiheit) unter der Leitung des Herrn Elimelach, eines Lehrers an der Knabenschule der Allianz. Daneben sorgt jetzt aber auch ein spanischer Jude, namens Schiresli, der frühere Kompagnon von Ben Jehuda dafür, dass der edle Jargon in Jerusalem nicht ausstirbt, indem er in deutsch-polnischem Jargon, für ein Ashari in den Strassen von Jerusalem und anderer Orte, das „Parä- .146