Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zeitungsboykott in Jerusalem
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dies" feilbieten und verkaufen lässt. Für ein Aschari (5 Cts.) das „Paradies" und noch dazu in Jargon, diese selten günstige Gelegenheit, werden sich alle Jerusalemer grosse und kleinen Sünder und Sünderinnen, deren es nicht wenige gibt, sicherlich nicht entgehen lassen. Zum grossen Erstaunen und Aerger aller die Erweckung und Propagierung der hebräischen Sprache betreibenden Kreise und Elemente, hat sich aber auch der spanische Herausgeber der hebräischen „Cherut", seinen formell gegebenen Versprechungen zum Trotz, entschlossen, als Pendant zu dem deutschjargonistischen „Paradies" auch ein spanisch-jargonistisches Organ den, „Elliberal" erscheinen zu lassen. Die Freunde des Herrn Elimelech und der hebräischen Sprache, sind an ihm irre geworden. Der reiche Hausbesitzer Feingold, will sogar demnächst eine grosse Tageszeitung, ,,die Wahrheit" in vier Sprachen zugleich, in Hebräisch, Jargon, Englisch und Französisch herausgeben. Und nun sage nach allem noch jemand, dass Jerusalem mit 15—20 jüdischen, christlichen und muhamedanischen religiösen und politischen Blättern in bezug auf Entwicklung zur Grosstadt noch nicht den Rekord geschlagen hat. Wahrlich, wenn die Jerusalemer auch oft in Sorge sind ums liebe tägliche Brot, in bezug auf geistige Nahrung und Zufuhr sind sie, nachdem sie zu dem Blätterheer auch noch eine Anzahl grosser internationaler Buchhandlungen besitzen, aufs beste versorgt und kann sie selbst manche grössere Stadt des Kontinents beneiden. Was neben vielen bedenklichen Symptomen durch diesen Zeitungswettstreit aber unstreitig Gutes geschaffen wird, das kann man in der Tatsache erblicken, dass sich durch den Widerstreit der Meinungen und Interessen immer mehr eine starke und massgebende öffentliche Meinung herausbildet, so dass sich ein Redaktor, wie man es gegenwärtig an dem Schicksal des „Hazewi" ersieht, nicht herausnehmen darf, seinen Lesern alles zu bieten, wenn er nicht seine „Kundschaft" verlieren und seinen Konkurrenten freies Spiel geben will. Von der Reaktion. Während der Reaktion schwebten wir, wie es jetzt bekannt wird, in giosser Gefahr. Gleich nach Ausbruch der Revolte gelangte von Konstantinopel hieher ein Telegramm, unter Juden und Christen ein Gemetzel zu veranstalten. Jedoch Dank der Umsicht der jungtürkischen Offiziere, die das Telegramm zurückhielten, ist hier nichts passiert. Die Männer-Irren-Anstalt in Jerusalem. In Nr. 4 von „Palästina" erschien unter dem Titel „Was sollen wir also tun" von Bath Jizchak, über die Jerusalemer Männer-Irrenanstalt, ein poetisch angehauchter tragi-komischer Artikel, welcher im Interesseder Wahrheit und Gerechtigkeit nicht ohne Widerspruch und Berichtigung bleiben darf. Seit Jahren liefen die bedauernswerten Irren, von bösen Hunden mit Gebell und Beissen und von bösen Buben mit Steinen und Quälereien verfolgt, herren- und obdachlos auf den Strassen und Plätzen herum, ohne dass es jemand einfiel wie Bath Jizchak auch nur die Frage zu erheben: „was sollen wir also tun?" auch dann nicht, als es sich ereignete, dass einige dieser armen Unglücklichen in die offenen Cisternen fielen 147