Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Unruhen der orthodoxen Araber und Griechen in Jerusalem und Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
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Arabern noch besonders verhasst war, sah sich genötigt, die Stadt augenblicklich zu verlassen. Unter der allerdings nicht bedeutenden Zahl der Exilierten befindet sich, wie schon gesagt, auch der Verwalter der Grabeskirche Evthymius, der aber seine aus dem frommen Geschäft aufgehäuften Millionen, von denen er allerdings zur Unterhaltung von Schulen und wohltätigen Anstalten vielfach guten Gebrauch machte, noch vor dem Sturme in Sicherheit zu bringen wusste. Die augenblickliche Freude der Araber über den ersten mühelos errungenen „Sieg" kannte an diesem Abend und am darauffolgenden Tage keine Grenzen und gab sich unter Glockenläuten, Revolver-Geknatter und lärmenden Strassenaufzügen, an denen sich auch Muslim mit dem entfalteten Halbmond beteiligten, geradezu sinnenbetäubenden Ausdruck. — Nach diesem ersten Freudenrausch ist aber in den Reihen der Araber schon eine gewaltige Ernüchterung eingetreten, wie sie sich im Leben gar oft nach Erfüllung eines sehnlichst begehrten Herzenswunsches einzustellen pflegt. Die Araber müssen sich sagen, dass sie mit der augenblicklichen Lösung der Patriarchenfrage für die Erreichung ihrer eigentlichen Forderungen, die von dieser Frage ganz unabhängig sind, doch noch um keinen Schritt weitergekommen sind, sondern die Dinge jetzt gerade noch so für sie liegen, wie vor Ausbruch des Streites, ganz abgesehen davon, dass auch die Patriarchenkrisis noch nicht völlig als überwunden zu betrachten ist. Das Drama wird also seinen Fortgang nehmen, und hier geht allgemein, das Gerücht, dass die Araber schon neue und noch gewaltigere Vorbereitungen dazu treffen. . Zur Zeit ist übrigens der Schauplatz der Handlung mehr nach Konstantinopel verlegt. Sowohl Her Patriarch von Alexandrien, Photius, welcher sich zur Schlichtung der Jerusalemer Streitigkeiten schon seit Monaten in der Hauptstadt befindet, als ganz besonders der ökumenische Patriarch in Konstantinopel, weigern sich entschieden die Wiedereinsetzung des Jerusalemer Patriarchen Damianos anzuerkennen, weil sie nur durch obrigkeitlichen Druck und Zwang erfolgt und daher als unkanonisch zu verwerfen sei. Nach dem Dafürhalten des ökumenischen Patriarchen hat nur eine allgemeine Synode, vor welcher sich Damianos zu rechtfertigen hat, über seine fernere Würdigkeit oder Unwürdigkeit für den Patriarchenstuhl zu entscheiden und die Regierung in dieser durchaus innerkirchlichen Frage sich jeder Beeinflussung nach der einen oder der andern Seite hin strengstens zu enthalten. Die Lage hat sich jetzt schliesslich sogar zu einer Patriarchenkrisis in Konstantinopel zugespitzt, da der ökumenische Patriarch Jojakim bestimmt erklärt hat, eher abzudanken, als von seiner Ansicht abzugehen. Wie dieser ganze verwickelte 136