Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Unruhen der orthodoxen Araber und Griechen in Jerusalem und Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
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Nacht einen bewaffneten Angriff auf das Kloster zu machen und dasselbe mit Bomben, welche ihnen nach der Annahme einiger blödsinniger Mönche die Loge von Kairo gesendet, in die Luft zu jagen; Tatsache ist auch, dass das Militär, wie auch die übrige nicht orthodoxe arabische Bevölkerung mit den Aufständischen gemeinsame Sache machten, aber trotzdem konnte jederman ausser den eingeschüchterten, aller ruhigen Besinnung und Ueberlegung beraubten griechischen Mönche von vornherein die Worte von Nassim Pascha als nichts anderes nehmen, als was sie in Wirklichkeit waren, wohl berechnete, leere Drohungen. Jerusalem ist schliesslich nicht Macedonien, Albanien oder Mekka, in Jerusalem haben alle Nationen mehr oder weniger direkte Interessen, welche durch die tatsächliche Ausführung der von den Arabern angedrohten Gewalttätigkeiten und Verbrechen mit verletzt worden wären und die sofortige Landung der Kriegsschiffe verschiedener Mächte in den Hafen von Jaffa zur Folge gehabt hätten. So gescheit ist der Türke auch und es unterliegt darum nicht dem geringsten Zweifel, dass es Nassim Pascha im wirklichen Ernstfalle mit seiner Verantwortung doch strenger genommen hätte als er die Mönche glauben machen wollte. So viel Geistesgegenwart und Kaltblütigkeit, um dies einzusehen, suchte man aber in diesen kritischen Augenblicken unter der geistig zum Teil recht beschränkten Mönchsschaar, welche nach der vorausgegangenen Entfernung der beiden Führer jeglichen Haltes beraubt war, vergebens und gegenüber der früher mit hochtönenden Phrasen abgegebenen Versicherung, dass alle bereit seien, für den Glauben und die Nation unter Umständen auch zu sterben und als Märtyrer in der Geschichte weiter zu leben, wurde man versucht, an die biblischen Worte zu denken: „Der Geist ist willig, das Fleisch aber ist schwach." Aus Angst vor einer fürchterlichen Katastrophe und einem bevorstehenden allgemeinen Massacre, erklärten sich die Mönche auf das ungestüme Drängen von Nassim Pascha bereit, zur unbedingten Kapitulation und zur unmittelbaren Erfüllung aller für sie wenig ehrenvollen Verpflichtungen. Noch am selben Abend zogen die Synode und die Mönche im langen Zuge in das Patriarchat, welches sie drei Monate lang nicht mehr betreten hatten, wo sie der Patriarch, Nassim Pascha, der Gouverneur von Jerusalem und der griechische Konsul erwarteten. Hier musste nun einer nach dem andern für die dem Patriarchen gegenüber erzeigte Widerspenstigkeit demütig mit einem pater peceavi um Verzeihung bitten, ihm die Hand küssen und alle insgesamt ihre seit der Entthronung des Patriarchen geschehenen Erschliessungen und Akte als nichtig anerkennen und feierlichst widerrufen. Wer sich von den Mönchen dieser Aufforderung nicht sofort fügen wollte, oder den 135