Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Unruhen der orthodoxen Araber und Griechen in Jerusalem und Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
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der Synode so lange die Anerkennung versagte, bis der Patriarch sich zu freiwilliger Abdankung entschliesse. Das Bekanntwerden dieser Nachricht rief unter der arabischen orthodoxen Bevölkerung allgemeine Freudenkundgebungen hervor, welche sich auch äusserlich durch Sofortiges Schmücken und Beflaggen der Häuser und Strassen dokumentierte. Auf den nun einsetzenden Druck der beiden anderen griechischen Patriarchen, des Patriarchen Photius in Alexandrien und besonders des ökumenischen Patriarchen, Jojakim III. in Konstantinopel, welche sich mit der Jerusalemer Synode solidarisch gegen ihren, niemals sehr von ihnen geliebten Kollegen Damianos erklärten, liess sich aber die Regierung dann zum Widerruf ihrer früheren Entscheidung bewegen, indem sie in einem Telegramm an den Pascha von Jerusalem am 16. Januar die Absetzung des Patriarchen und bis zur Neuwahl seines Nachfolgers die Ernennung eines Stellvertreters bestätigte und von Damianos die sofortige Entfernung aus Jerusalem verlangte. Die Aufregung und Entrüstung, welche diese Wandlung der Stellung der Regierung unter den Eingebornen hervorrief, lässt sich kaum beschreiben. Durch das Lavieren und Paktieren, die Unentschlossenheit und Nachgiebigkeit der Regierung erkühnt und durch das russische Konsulat ermutigt und offen unterstützt, suchten die Araber die Entfernung des Patriarchen mit aller Gewalt zu verhindern. Zu dem Ende retteten sie sich in dichten Haufen vor dem griechischen Patriarchat zusammen, drangen in dasselbe mit Gewalt ein und hielten es besetzt, ohne von dem aufgebotenen Militär in ihrem gesetzwidrigen Treiben auch nur im geringsten gestört zu werden. Ein gleiches geschah an andern Orten, wie Bethlehem, Jaffa, Ramleh, Nazaret, wo die Araber die griechischen Mönche aus den Klöstern vertrieben, und sich selbst darin festsetzten. Angesichts der äusserst bedrohlichen Lage entschloss sich jetzt die Regierung zur Beruhigung der erhitzten Gemüter und zur Untersuchung des Tatbestandes eine Kommission nach Jerusalem zu senden, ungeachtet des energischen Protestes der kumenischen Patriarchen, dass die Kirche in ihren innern Angelegenheiten und Erschliessungen frei sei und keine staatliche Einmischung dulde, und dass die Regierung nur die kanonisch erfolgten Beschlüsse der massgebenden kirchlichen Organe (in diesem Falle also die Absetzung des Damianos) zur Kenntnis zu nehmen, zu bestätigen und wenn nötig, deren Ausführung zu garantieren habe. Die von der Regierung designierte Kommission ist also tatsächlich in den ersten Tagen des Februar eingetroffen und in Jaffa und Jerusalem von dem jungtürkischen Komitee, den orthodoxen Arabern und einer nach Tausenden zählenden Menge unter Böllerschüssen, Jangen Reden und frenetischem Jubel mit klin- 132