Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Unruhen der orthodoxen Araber und Griechen in Jerusalem und Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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ihnen angeblich seit Jahrhunderten von den Griechen gewaltsam geraubt und vorenthalten werden. Zu dem Zwecke bildete sich auf Grund des falsch interpretierten § 111 der neuen türkischen Verfassung ein aus 40 Mitgliedern bestehendes sog. Nationalkonzil", dessen Führer und Sprecher dem Patriarchen und der Synode eine Reihe von Petitionen vorlegten, von denen sich keine einzige etwa auf Verbesserungen der kirchlichen, Lehre und des Kultus bezog, sondern welche alle ganz ausschliesslich nur rein materielle und egoistische Vorteile im Auge hatten. Die Araber verlangten zur Erreichung und Befriedigung ihrer Absichten und Wünsche Sitz und Stimme in der Synode, Zulassung zu den höchsten kirchlichen Aemtern und Würden, den Patriarchenstuhl selbstverständlich inbegriffen, gleichen Anteil an dem beweglichen und unbeweglichen Besitz des griechischen Zentral-KIosters und seiner Dependancen wie besonders auch an den „heiligen Stätten" Kontrolle der Finanzverwaltung und aller Einkünfte, welche natürlich möglichst vollzählig in die Taschen der Araber fHessen sollten, da ja angeblich alle dem „hl. Grabe" zugewandten Stiftungen, Legate und Beiträge von den guten einfältigen orthodoxen Christen nur aus Liebe und Fürsorge für die arabischen „Brüder" erfolgten. Aus diesen zum grössten Teil, wenn nicht gänzlich recht unvernünftigen und 'unmotivierten Forderungen der Araber, soll man aber nicht etwa den Schluss ziehen, dass sie tatsächlich, wie sie sich beschweren, über die von den Griechen bisher erfahrene Behandlung Grund zu ernstlichen Beschwerden gehabt hätten. Das griechische Kloster verwendete bis dahin für die leibliche und geistige Fürsorge der 60 000 orthodoxen Araber in Palästina, Syrien und dem Ostjordanland jährlich ausserordentlich grosse Summen. Das Kloster bestreitet allein ohne den geringsten Beitrag seitens der eingeborenen Bevölkrung alle Ausgaben für die Kirchen und den arabischen Klerus, es unterhält 84 im ganzen Lande verbreitete niedere und höhere Schulen, sorgt für freie ärztliche Behandlung, sei es in Hospital¬ oder Privatpflege, gewährt ohne Ausnahme freie Wohnungen und Miete, verteilt wöchentlich zweimal Brot und Lebensmitteln, gibt ausserdem noch zahlreiche Unterstützungen in Geld (und Barvorschuss. So kann man sogar sagen, dass hier zu Lande, wo jede Seele ihren Preis hat, um den sie feil ist, es den orthodoxen Arabern in vieler Hinsicht verhältnismässig noch besser geht als ihren der katholischen oder protestantischen Kirche und Mission angeschlossenen Volksgenossen. Den Griechen darf man vielleicht noch weniger als den anderen katholischen und protestantischen Missionen im Lande den Vorwurf ersparen, dass sie bisher den eignen nationalen Volks¬ und Glaubensgenossen, wenn sie noch so bedürftig waren, 130