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Palästina · 1909-01-01 · Heft 4 · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 4
Article
Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
Date
1909-01-01
Page
Seite 89 (sequence 4)
Language
German
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übrig, der zu Ackerbauzwecken hätte verwendet werden können. Das vorn Wali von Damascus, Raschid Pascha, anlässlich eines Besuches der Tempelkolonien den Deutschen in Haifa versprochene Karmelbergland im Umfang von 4000 württembg. Morgen blieb ein Versprechen, da die Stadtgemeinde Haifa gegen die Schenkung protestierte und das Franziskanerkloster auf dem Karmelvorsprung keine Mittel scheute, um selbst in Besitz des Landes ziu kommen. Leider waren aber auch die Handelsverhältnisse der Stadt Haifa zu Beginn der 70er Jahre nicht dazu angetan, einer grösseren Kolonie Europäer den nötigen Lebensunterhalt zu gewähren. Anfänglich ging es ja noch, solange die von Deutschland mitgebrachten Kapitalien — jede Familie hatte 12 000 M. Vermögen aufzuweisen, um zur Ansiedlung zugelassen zu werden — vorreichten. Sobald aber die Geldmittel anfingen auszugehen, brach eine kritische Zeit herein. Selbst die Anlage von 22 Morgen Weinland auf dem Karmel im Jahre 1874 konnte der schlimmen Not keinen Einhalt tun. Um das Mass voll zu machen, gesellte sich zu der wirtschaftlichen Depression noch ein scharfer Konflikt zwischen Hoffmann und Hardegg. Hardegg war von vorneherein gegen die Gründung der Kolonie Jaffa und Sarona gewesen und hatte die Erkrankungen und Todesfälle auf diesen Ansiedlungen rundweg als Strafen Gottes bezeichnet. Hoffmann sah andererseits ein, dass die Finanzwirtschaft Hardeggs den Tempel dem Abgrund zuführte. Die Mehrzahl der Tempelmitglieder war Hoffmanns Ansicht, und so übergab denn eine Versammlung aller Kolonisten in Jaffa Hoffmann die Oberleitung über die Tempelkolonien. Hiardegg .antwortete damit, dass er von dem Amte eines Vorstehers der Kolonie Haifa zurücktrat und zugleich seinen Austritt aus der Tempelgesellschaft erklärte. Das stiess die Haifaer Templer so sehr vor den Kopf, dass sich Hoffmann veranlasst sah, auch seinerseits das Amt als Leiter der Gemeinde Jaffa niederzulegen. Die Haifaer fühlten sich hierauf der Mehrzahl nach beruhigt, und so konnte Hoffmann am 3. Mai 1874 noch einmal zum Vorsteher der Tempelkolonien in Haifa, Jaffa, Sarona und Jerusalem gewählt werden. Wie schlimm Hardegg gewirtschaftet hatte, geht aus einer Veröffentlichung im Jahre 1893 hervor, derzufolge die Gemeinde Haifa im Jahre 1878 84 000 Frcs. Schulden aufwies. 18§0 musstje der Tempelrat in Stuttgart den Beschluss fassen, von der Verzinsung dieser Schuld abzusehen, da die Gemeinde faktisch zahlungsunfähig war! Drückend lastete der russischtürkische Krieg auf Handel und Gewerbe. Auch hatte sich die türkische Regierung noch immer nicht veranlasst gesehen, die Besitz verhält- 89

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