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Palästina · 1909-01-01 · Heft 4 · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 4
Article
Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
Date
1909-01-01
Page
Seite 88 (sequence 3)
Language
German
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ein Zeugnis der Tempelleitung in Stuttgart aufweisen konnten, ,nach welchem sie im Besitze der moralischen und finanziellen Eigenschaften waren, die Hoffmann und Hardegg zur glücklichen Durchführung der Kolonisation notwendig erschienen. Nur auf diese Weise wurde wenigstens für die ersten Jahre ein Zusammenhalt unter den Ansiedlern bewirkt, der alle Schwierigkeiten zu besiegen half. Den Plan zu der Kolonie Haifa entwarf Hardegg. Er durchzog das angekaufte Areal der Länge nach m'it einer Strasse, die im Norden senkrecht hinaus auf das Meer verlief, gegen Süden zu aber, leicht ansteigend, sich bis an den Fuss des Karmels erstreckte. Rechts und links von der Strasse war der Bau von je 5 Häusiernj geplant. Die Strasse selbst erhielt eine Breite von 100 Fuss, so dass auf jeder Seite noch Raum für 2 Reihen Bäume übrig blieb. Die Kosten zum Strassen- und Häuserbau übernahm' die Kolonisationskasse des Tempels. Sie wurden anfänglich auf 10 000 Gulden (17 000 M,) geschätzt, haben aber diesen Betrag erheblich überschrütten. Und das sollte der Kolonie manche unangenehme Stunden bereiten. Vorerst entwickelte sich die Siedlung rasch und ungehindert. 1870 zählte sie 70, 1872 200, 1873 250 Seelen. Die Zahl der Wohnhäuser stieg von 9 im Jahre 1870 auf 15 im Jahre 1871 und 24 im Jahre 1872. Der Bodenbesitz dehnte sich dementsprechend von 50 Morgen im Jahre 70 auf 300 Morgen im Jahre 72 aus. Eine Elementarschule war schon im ersten Jahr errichtet worden; sie zählte bei der Eröffnung 4, 1871 29 Knaben und Mädchen. Das Jahr 1873 brachte den ersten Misserfolg. Hardegg hatte sich schon im Gründungsjahr der Kolonie eine derartige Selbstherrlichkeit in seinen Handlungen angewöhnt, dass Hoffmann, der eigentliche geistige Leiter der Oesellschaft, es als kluger Mann vorgezogen hatte, ihm Haifa als Wirkungskreis zu überlassen und selbst nach Jaffa umzusiedeln, wo er die Leitung der inzwischen dort ins Leben gerufenen zweiten Kolonie übernahm. Jetzt ging aber Hardegg soweit, mit dem ihm anvertrauten Geld der Kolonisationskasse auf eigene Faust 400 Morgen bei T i r e h anzukaufen. Da das Land zur Bebauung ungeeignet, überdies auch viel zu entfernt War, die Einwohnerschaft Tirehs in Fanatismus, Raub und Diebstahl aufging, war der Erwerb ein höchst unglücklicher zu nennen. Allerdings hatten die Haifaer Kolonisten Ackerland überaus nötig, aber der Kauf des Tireher Grundstückes war nach keiner Richtung angetan, das Bedürfnis zu befriedigen. Die Ansiedhing war überhaupt ihrer Lage nach weniger zu einer Ackerbaukolonie als einer Handels- und Geweitbeniederlassung bestimmt. In den schmalen Saum zwischen Berg und Meer eingeengt, blieb den Kolonisten nur wenig Platz 88

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