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Palästina · 1909-01-01 · Heft 4 · p. Seite 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 4
Article
Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
Date
1909-01-01
Page
Seite 90 (sequence 5)
Language
German
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nisse der Kolonisten zu ordnen. „Alles Land, nämlich selbst die Plätze, auf denen unsere Häuser stehen, gehört vor der Regierung nicht uns, sondern Arabern. Wir haben nur die Besitztitel des Landes in Händen, auf denen dann auf der Rückseite von dem betr. Eigentümer bescheint ist, dass uns das Land verkauft worden sei/' So lautet ein Bericht aus dem Jahre 1877. Die Absicht der Hohen Pforte bei diesem Verhalten war, die Kolonisten zu zwingen, türkische Untertanen zu werden. Hatte sie ja doch bereits das Gerücht verbreitet, die Ansiedler seien überhaupt keine Deutschen. Dem Gerede machte der Besuch eines deutschen Geschwaders unter Contreadmirai Batsch ein jähes Ende. Batsch erhob freundschaftliche Vorstellungen bei den türkischen Lokalbehörden, drang aber mit seinen Wünschen nicht durch. Trotz aller Not und aller Plackerei nahm die Kolonie an Einwohnerzahl und Umfang langsam zu. 1874 wurdem insgesamt 300 Ansiedler gezählt, 1876: 315, 1877: 400. Die Zahl der Toten betrug: Jahr Erwachsene Kinder 1873 3 5 1874 8? 1875 2 3 1876 1 2 1877 7 18 Diesen Verlusten standen 1876: 23, 1877: 24 Geburten gegenüber. Das Jahr 77 schloss auch in dieser Hinsicht sehr ungünstig ab. Es ist überhaupt das traurigste Jahr gewesen, das die vom Schicksal verfolgte Kolonie durchzumachen hatte. Die Gemeinde musste aus Mangel an Mitteln zwei Lehrer entlassen, und es erschien unmöglich, die für Schule, Leitung und Krankenpflege notwendigen 4000 Frcs. künftig aufzubringen. 1877 veröffentlichte Hoffmann Sendschreiben über die Sakramente^ die Dreieinigkeit und die Gottheit Christi. Die Folge davon in Haifa war, dass 11 Personen aus dem Tempel ausschieden und dem von Hardegg gegründeten „Tempelverein" beitraten. Insgesamt gehörten 1879 14 Familien dem „Deutschen Tempel", ödem „Tempelverein" an. Natürlich musste diese Spaltung auch die sozialen Verhältnisse berühren. Im Jahre 1874 hatte der Tempelrat für die Kolonien in Palästina eine Verfassung eingeführt, derzufolge weltliche und religiöse Leitung in den Händen eines Gemeindevorstehers lagen. Ein Beschluss desselben Rates erklärte im Mai 79 diese Geschäftsordnung für erloschen und führte eine neue Ordnung ein. Nach ihr blieb es den Kolonien überlassen, bürgerliche Gemeinschaften zu bilden, nur hatten bürgerliche und religiöse Gemeinden künftig keinerlei äusseren Zusammenhang mehr. 90

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