Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die deutsche Kolonie Haifa in Palästina
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 2)
- Language
- German
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der Ankauf und die Besiedlung verschiedener Käufer auf der jetzigen „deutschen Kolonie bei Jaffa" bereits im Frühjahr desselben Jahres erfolgte. Die Kolonie ist, wie alle anderen deutschen Ansiedlungen im hl. Lande, ein Werk des „Deutschen Tempels". Dieser, eine religiöse Gesellschaft von damals 2—3000 Seelen, hatte sich aus dem württembergigen Pietismus herausgebildet, war aber bald in Gegensatz zu der evangelischen Landeskirche gekommen und konstituierte sich von da ab als eine unabhängige religiöse Gesellschaft, die für die „Sammlung des Volkes Gottes sin Jerusalem" tätig war. Dass gerade Haifa der Ausgangspunkt für die Kolonisation der Templer wurde, ist dem Missionar Huber in Nazareth zu verdanken, der den Leitern der Tempelgesellschaft, Hoffmann und Hardegg, von der Gründung einer Kolonie bei Nazareth abriet und auf Haifa als den günstigsten Ort hinwies, an dem eine Besiedlung den meisten Erfolg verspreche. Die Stadt Haifa war damals noch ein unbedeutender Küstenort mit 4000 Seelen. In herrlicher Umgebung am Südostende der Bucht von Akka gelegen, schloss eine hohe Mauer die schlecht gebauten Häuserviertel ein. Von Schiffahrtsgesellschaften zeigte nur der österreichische Lioyd regelmässig alle 14 Tage seine Flagge auf der offenen Rhede. Französische, russische und englische Dampfer legten in dem benachbarten Akka an, nach dem wichtige Karawanenstrassen aus dem fruchtbaren Hinterlande führten. Heute ist das alles anders geworden. Haifa zählt ungefähr 20 000 Einwohner. Es hat Akka längst hinter sich gelassen, dessen Getreideexport a^ sich gerissen, und geht als Mündungsort der Bahnlinie Haifa—Damascus1 —Medina einer bedeutungsvollen Zukunft entgegen. Auch einen Hafen soll Haifa als erste palästinische Stadt bekommen, allerdings ein zweischneidiges Ding für syrische Verkehrsverhältnisse. ■ Hoffmann und Hardegg beabsichtigten, vorerst 10 Familien bei Haifa anzusiedeln, die sich mit Ackerbau und Gewerbe zu beschäftigen hatten. Zu diesem Zweck wurden im Frühling 1869 im Westen der Stadt, am Fusse des Kamels, ein Areal von 22 Morgen angekauft. Der Kaufpreis betrug 1200 württembg. Gulden, nach unserem heutigen Oelde etwa 2050 Mark, Schon aus diesem Anlass zeigten sich die Schwierigkeiten, die die türkischen Lokalbehörden auch in den folgenden Jahren den Kolonisationsbestrebungen bereiteten: trotz aller Bemühungen gelang es nicht, den Kauf des Landes gerichtlich eintragen zu lassen. Die Erfahrungen von Kunifus und Samunich hatten die Leiter der Gesellschaft gewitzigt. Nur solchen Mitgliedern der Gesellschaft wurde die Erlaubnis zur Ansiedlung gegeben, die 87