Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Von der jüdischen Immigration
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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unterhalten. Handel und Gewerbe sind beschränkt und liegen zumeist in sicheren Händen. Jerusalem ist heute nur noch der Magen Palästinas, der alles verschlingt, nicht mehr die treibende Kraft wie in vergangenen Zeiten. Auch die überwiegende Mehrheit der jüdischen Bewohner in Safed und Tiberias lebt von der Chalukka. Gilt doch, wie Dr. Ruppin kürzlich erzählt hat, in Safed ein Jude als neich, der monatlich 80 Francs verdient. Armselig ist gleichfalls die Lage der Juden in, Hebron. Sie sind zumeist Handwerker, wenn man ihnen diesen Ehrentitel zubilligen will. Immerhin muss die wirtschaftliche Lage der Hebroner Juden als ein klein wenig besser als die ihrer Glaubensgenossen in Safed und Jerusalem bezeichnet werden, „Jaffa ist das Zentrum modernen jüdischen Lebens." Wirklich haben es auch die Juden in dem von jeher äusserst betriebsamen Hafenort am weitesten gebracht. Nach der Stadt Jaffa floss einst ein Hauptteil des Goldregens,* den Edmond de Rothschild über das Land goss. Und noch heute ist der enge Kranz jüdischer Kolonien, der die Philisterstadt« umschliesst, eine Quelle des Reichtums für die jüdischen .Stadtbewohner. Chalukka- Empfänger gibt es in Jaffa ebensowenig wie in Hebron. Die Frage über die Nützlichkeit und Berechtigung der Chalukka als solcher ist schon viel und, oft erörtert werden. Eines steht heute fest: dass nämlich ein grosser Teil der Almosennehmer in Jerusalem, Safed und Tiberias die beste Gelegenheit hätte, sein Brot zu verdienen, wenn ihm) nur hieran etwas gelegen wäre. In den jüdischen Kolonien Palästinas sind nicht weniger als 6000 arabische Handarbeiter beschäftigt. Die jüdische Kolonie Petach Tikwah soll jährlich allein 1500 arabischer Hilfsarbeiter benötigen. Ein Ersatz dieser eingeborenen Hilfskräfte durch Juden selbst müsste bei einigem Willen! und einiger Geduld gelingen. Aber die Tausende von Almosenempfängern in den drei jüdischen Städten Palästinas ziehen es vor, zu „beten" und zu hungern, anstatt sich zu dem; Grundsatze: Bete und arbeite zu bequemen. 17 Prozent aller jüdischen Einwanderer in Palästina sind über 70 Jahre alte Leute, die lediglich herbeiziehen, um im Lande ihrer Väter zu sterben. Nach Angabe des Odessaer Palästinakomitees waren von den 1746 Juden, die die Hilfe der Gesellschaft im vergangenen Jahre in Anspruch nahmen, 30 Prozent älter als 50 Jahre. Sie wanderten alle aus religiösen Gründen ein, das heisst, sie dienten nur dazu, das Proletariat zu vermehren. Im Alter von 30 bis 50 Jahren standen 28 Prozent. Die Zahl der jungen Leute belief sich ebenfalls auf 23 Prozent. Jünger als 15 Jahre waren 20 Prozent. Somit ist das Kontingent der Arbeitsfähigen nur auf 50—60 Prozent anzusetzen. Als Zielpunkt der Reise gaben an: 752 Jerusalem, 627 Jaffa, 241 Kolonien, 67 Safed und jTiberias, 39