Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Von der jüdischen Immigration
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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in ihnen der unruhige, ja ungesunde Entwicklungsgang der meisten jüdischen Kolonien in reichlichem Masse spiegelt Aber das ist es weniger, worauf hier die Aufmerksamkeit gelenkt sein soll: Im Jahre 1898 wurde die Gesamtbevöl!- kerung der Kolonien auf 5200 Seelen angegeben, im Jahre 1903 auf 6500 Seelen, und Ende 1907 (von Dr. Kuppin) gleichfalls auf 6500 Seelen. Während sich also in den letzten 10 Jahren die jüdische Stadtbevölkerung in Palästina um etwa 60 Proz. vermehrte, weist in dem gleichen Zeitraum die jüdische Landbevölkerung eine Zunahme von nur 25 Prozent auf; und in den letzten 4 Jahren ist überhaupt keine ins Gewicht fallende Bevölkerungszunahme der jüdischen Ackerbauer zu verzeichnen gewesen. Trotzdem nimmttier, Bodenbesitz, der Juden Palästinas ständig zu, entsprechend dem Plane der Zionisten, durch den Erwerb des Bodens auch faktisch Herr im Lande zu werden. Während zu Beginn der 80er Jahre nur wenige hundert Hektar in jüdischen Händen waren, stieg der jüdische Landbesitz von 25 000 ha im Jahre 1898 auf 32 000 ha im Jahre 1907, d. h. in 10 Jahren um 28 Proz. Nimmt man die Gesamtbodenfläche Palästinas mit 27 000 qkm an, so sind heute bereits nahezu 1,5 Prozent des ganzen Landes in festem jüdischen Besitz. Noch mehr verschiebt sich das Verhältnis zugunsten der Juden, wenn man der Rechnung das gute, anbaufähige Land zugrunde legt. Von diesem dürften heute, nach nur 30jährigem Bemühen, wenigstens 5 Prozent in jüdischen Händen sein. Allerdings ist der Landerwerb den Judenj ziemiich teuer zu stehen gekommen. Im ganzen kann man wohl die Summen, die zur Schaffung jüdischer Ansiedlungen in Palästina seit dem Beginn der 80er Jahre ausgeworfen wurden, auf rund 90 Millionen Franken angeben, wovon allein auf Rotschiid über 70 (nach andern Angaben etwas weniger) Millionen entfallen dürften! Was treiben die 80,000 jüdischen Städtebewohner im Heiligen Land? Die überwiegende Masse sind Chalukka, d. h. Almosenempfänger. In Jerusalem gehen alljährlich aus aller Herren Länder 2y2 Millionen Ftfancs Almosengelder ein, die dann unter die Kolelim, das sind Landsmannschaften, verteilt werden. Selbstverständlich entfällt auf die einzelne Person nur ein geringer Betrag. Sind es doch in Jerusalem allein nicht weniger als 35 000 hungrige Mägen, die sich in diese Summe teilen. ly2 bis 2 Franken wird als Durchschnitt dessen angegeben, was auf den Kopf und Woche eines Chalukka-Empfängers entfällt. Die Zahl der jüdischen Handwerker Jerusalems wurde tfor einiger Zeit auf etwa 2000 angegeben. Dazu[ kommen noch, wenn es viel ist, 1000 Kaufleute. Alles andere vegetiert, verkommt und leistet nichts. Jerusalem ist auch gar nicht der Boden, eine jüdische Bevölkerung von 45—50 000 Seelen zu 38