Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das jüdische Kolonisationsgebiet Judäas
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
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rückt, in der Nähe des alten Askolon, schon wenige Stunden von Gaza entfernt. . Die weitaus grösste der Kolonien ist Petach-Tikwah, deren jüdische Einwohnerzahl auf 1700 geschätzt wird. Ein reges Leben herrscht auf den Feldern, in den Strassen, in den Schulen. Die Landwirtschaft steht zum Teile unter dem Zeichen des Grossbetriebs, und ist in den letzten Jahren die Orangenkultur der wichtigste Erwerbs- und selbst Unternehmerzweig geworden. Jüdische „Bojaren*' umgeben die Kolonien in weitem Umkreise — sonst wird vor allem Wein-, auch Obstbau und etwas Blumenzucht getrieben. Charakteristisch ist das entwickelte Zusammenleben der jüdischen Feldarbeiter, wenngleich diese nur einen geringen Teil der gesamten Arbeiterzahl bilden (alle übrigen sind Araber). Doch sind die hygienischen Verhältnisse des Arbeiterlebens ziemlich schlechte. Die Schulen, obgleich teilweise noch „französischer* Leitung unterstehend (Knaben- und Mädchenschule, sowie Kindergarten) scheinen in guter Entwicklung begriffen, und auch sonst gibt es mancherlei Kultureinflüsse, Bibliothek, Vorträge und Unterrichtskurse, woran einige Lehrer und der dortige Arzt ein Hauptverdienst tragen. Leider ist unter den Kolonisten selbst der Geist des Fanatismus, ja selbst die berüchtigte Chalukkah noch nicht ausgestorben. Die hebräische Umgangssprache ist der älteren Generation fast ganz fremd und verdrängt nur bei der Jugend allmählich den Jargon. Aeusserlich repräsentiert sich Petach-Tikwah als ein grosses Dorf, dessen besondere Reize das nahegerückte Hügelland und besonders die vielen stattlichen Eukalyptusbäume bilden. Einen anderen Eindruck macht Rischon-le-Zion, auf einem hochgelegenen Platze stehend, mit netten Strassen und schmucken Häuschen, voll idyllischer Ruhe. Den Mittelpunkt der Kolonie bildet die Weinkellerei, ein Grossunternehmen neuester Technik, mit Riesenmaschinen, weiten Gährungs- und Kellerräumen, besonderen Vorrichtungen zur Alkoholerzeugung, mit chemischer Werkstätte, elektrischer Beleuchtung ausgestattet, mit einer besonderen Kognakfabrik verbunden. Der von Baron Rothschild angelegte Park mit dem Volkshaus in der Mitte gibt der Kolonie ein gewisses prächtiges Gepräge, während ein Kranz von Maulbeer- und allerlei Obstpflanzungen neben den weitausgedehnten Weinkulturen, in der ganzen Umgebung einen lieblichen Anblick bieten. Das äusserlich-kulturelle Leben ist soweit entwickelt, dass man oft von dem „jüdischen Paris ' gesprochen hat, woran allerdings auch der Einfluss von Mode und Luxus auf das Leben der Kolonisten Schuld tragen. Eine Zahl junger Leute, in dieser Sphäre erzogen, sind nach Europa, Amerika und Australien ausgewandert, und auch die Schule, obwohl innerlich unabhängig, zeigt weniger nationales und etwas mehr französierendes Ge- 18