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Palästina · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Ein jüdisches Zentrum
Date
1909-01-01
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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ihnen heraus, ebenso wie sie in mir einen Verwandten sahen. Ueberall spürte ich ihren warmen Blick, ein freundschaftliches Gefühl. Und noch mehr empfand ich die Gemeinsamkeit, als mir ein persischer Jude sagte, dass bei allen Juden in Persien, sogar bei den kleinen Kindern, eine grosse Sehnsucht nach Jerusalem herrsche. Da merkte ich, dass es etwas Stärkeres gibt als Kultur, Sprache und Gebrauch, das uns aneinanderschmiedet. Auch wir besitzen ein Etwas, das in!uns,; den Kindern Europas, dieselbe Liebe zu Zion hervorruft wie bei den persischen Juden. Wir besitzen alle das Bewusstsein der einstigen Einheit; es ist ein Wort geblieben, welches unser aller Herz gleich berührt: J e tu s a 1 e m , das Zeichen der gewesenen Einheit und der kommenden Befreiung. Wegen der grossen Anzahl und der Freiheit, mit der man lebt, fühlt sich die jüdische Masse selbstbewusst und zufrieden. Sie besitzt ihre Feiertage, an welchen sich ihre Zusammenwürfelung aller Individuen ausdrückt, welche durch sie zur Einheit werden. Lag Beomer und am ersten Tage nach Schewtioth versammelt sich die jüdische Masse auf dem Grabe Simons, des Zaddiks, welches gleich hinter der Stadt liegt. Auf dem Grabe wird der ganze Tag mit Weib und Kind zugebracht. Das grosse Feld ringsum ist von Menschen voll. Gruppenweise stehen sie oder sitzen auf ausgebreiteten Teppichen oder auf dem Grase. Hier kann man all die verschiedenen Juden beisammensehen. Juden in russischen Mützen, in schwarzen Hüten, in kaukasischen oder tartarischen Mützen. Frjauen, gekleidet wie Araberinnen, Tscherkessinnen, Bucharinnen oder europäisch angezogen. Gesichter, denen man oft auf spanischen Bildern begegnen kann — echte Spanierinnen, arabische und tatarische Typen; es fehlen auch nicht schwarze Kinder. Alle Sprachen der Welt kann man da hören. Hebräisch verschwindet fast ganz vor dem Arabischen. Ein Rauschen und Lärmen, wie man es nur in der arabischen Menge zu hören gewohnt ist. Juden verkaufen lärmend verschiedene schmutzige Süssigkeiten, Gebäck, Limonaden und Eis. Hier wird gebetet — und da weint eine Gruppe auf dem Grabe; hier sitzen sephardische Frauen nud rauchen Zigaretten, und da rauchen andere Wasserpfeifen. In einer anderen Gruppe schlagen Frauen die Trommel. Kinder springen lustig herum, über den Platz gehen Soldaten mit Gewehren, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Alles ist lebenslustig und froh. Man freut sich mit in der Freude der Menge, die. einem anfangs so fremd vorkommt. Man freut sich, vor sich eine solche Menge Juden zu sehen, welche an ihrem Feiertage in ihre heilige Stadt zu ihrem heiligen Grabe kommen. Einige russische Jünglinge versuchen Reden zu halten. Alte Lithauer verhalten sich dagegen feindlich : „Die sind von der heutigen Welt/' sagen sie im Tone der Ver- 14

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