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Palästina · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Ein jüdisches Zentrum
Date
1909-01-01
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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bräisch können sie sehr wenig. Ihre Kinder lernen in Jerusalem hebräisch. In ihren Talmud-Thoras ist das Hebräische Unterrichts- und Umgangssprache. Sie schicken ihre Kinder auch in die Schulen, besonders die Mädchen. Die ärmsten Juden in Jerusalem sind die persischen. Sie wohnen in kleinen Häuschen; viele Häuser sind aus Blech zusammengestellt wie Buden, und dorf wohnen sie in der brennendsten Hitze. Es gibt Zimmer, in denen kein einziger Gegenstand zu treffen ist ausser einigen Polstern. Die Gassen sind voll von sich herumtummelnden, zerschlissenen Kindern, die Männer und Frauen kleiden sich wie die Perser. Die Männer gehen in tartarischem Talar und persischer Mütze, die Frauen schmücken sich mit vielem Blech, Messing und Korallen, die Kinder betteln jeden um einen Backschisch an. Die Frauen und Mädchen backen auf der Gasse nach arabischer Art auf kleinen Blechplatten Mazzoth. Die Männer und grösseren Kinder arbeiten in der Stadt. Die meisten Kinder bleiben ohne Unterricht. Die weniger Armen schicken die Kinder in die Allianceschulen, und diese Kinder erkennt man unter anderen sofort. Sie sind reiner, halten sich besser und betteln um keinen Backschisch. Die Schulkinder können hebräisch, untereinander aber reden sie persisch — einen eigenen persischen Dialekt. Die persischen Juden haben auch eine Talmud-Thoraschule, in welcher ein unwissender Lehrer unterrichtet. Die Armut der persischen Juden ist so gross, dass viele von ihnen ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken können, weil es ihnen schwer fällt, einen Franc vierteljährlich zu zahlen. Die persischen Juden können nicht das Arabische und verstehen sehr wenig die hebräische Sprache. Es fällt schwer, sich mit ihnen zu verständigen. Sie leiden auch sehr viel darunter, da sie wie Stumme in Jerusalem herumgehen. Sie wandern erst seit kurzer Zeit in Jerusalem ein. Vor idreissig Jahren gab es ihrer nur zwei Familien, heute sind sie zirka 1450 Personen. Die meisten kamen in den letzten fünf Jahren. Sie kamen entweder auf Eseln oder zu Fuss. Ihr Weg dauerte drei Monate. Die Ursache ihrer Auswanderungen sind die fortwährenden Verfolgungen in Persien. Hier sind sie trotz ihrer Armut zufrieden. Hier leben sie frei, ungestört und in friedlicher Ruhe. Ich habe mir die persischen Juden näher betrachtet. Fremd waren sie mir durch ihre Sprache, wegen ihrer Kleidung, Lebensart und Kultur. Ich hatte einen Begleiter mit. Er trug den persischen Talar und eine warme Mütze — in dieser brennenden Hitze. Sein Gesicht war rund., Sein Barthaar wie Stacheln. Ich würde ihn eher für einen Tartaren als Juden halten. Ich ging mit ihm durch die persischen Juden und dachte: Wie gross ist der Unterschied zwischen ihnen ,und mir! Und trotzdem fühlte ich eine gewisse Verwandtschaft mit 13

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