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Palästina · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
6 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Ein jüdisches Zentrum
Date
1909-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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Jerusalem einzuwandern. Der Krieg, der in Arabien wütete, zur Zeit als die Verfolgung gegen die Türkei herrschte, zwang sie ihre alteingesessenen Ortschaften zu verlassen. Sie kamen grösstenteils zu Fuss nach Jerusalem. Viele starben Hungeifel noch auf dem Wege. Ihre Zahl erreicht in Jerusalem 2000 Seelen. Man erkennt sie leicht an ihrem dunklen Gesicht, langen, schmalen Kopf und lebhaften, glänzenden Augen. Die Männer, auch die Jünglinge tragen lange, krause Pejes. Die Frauen sind klein, mager, dunkel, mit gelben und ausgetrockneten Gesichtern. Ihre Sprache ist arabisch, aber alle Männer sprechen auch sehr gut hebräisch. Sie kleiden sich wie die Araber, Frauen und Kinder färben sich sogar ebenfalls die Nägel. Die Teimoner sind sehr arm. Sie wohnen in niedrigen Häuschen hinter der Stadt. Sie sind gute Arbeiter. Sie sind Steinhauer, Lastenträger, Gassen- und Hofräumer. Die Frauen und Kinder sammeln auf den Gassen den Mist auf, den sie dann als Heizmaterial verwenden. Sie sind sehr genügsam., Ihre Bedürfnisse sind sehr gering. Sie leben nicht besser als ein arabischer Fellache. Und trotz ihrer kleinen Verdienste sparen sie noch für schlechte Zeiten ab. Das einzige Bedürfnis, das sie auch höher stellt als den Araber, ist das Lernen. Sie schicken ihre Kinder in ihre Chejdarim, wo dem Rabbi zirka drei Metalik (ungefähr acht Heller) für eine Woche für jedes Kind gezahlt wird. Die Mädchen schicken sie in die Kindergärten und Schulen. Die Bucharer sind reich. Ihre Gemeinde ist die reichste in Jerusalem. Das Bucharer Viertel besteht aus schönen grossen Häusern. Die Strassen sind gerade und breit, bei einigen Häusern sind auch Gärten. Wenn man ins Bucharer Viertel kommt, vergisst man, dass man in Jerusalem ist. Die Männer, gross und stark, wackeln in vielfarbigen Talaren und tartarischen Hüten einher. Die Frauen, mit vollen und rotem Gesichtern, sind mit Schmuck, Broschen, Ketten, Halsbändern behangen. Die Kleider glänzen mit ihren schreienden Farben. Die Bucharer Juden begannen vom Jahre 1891 nach Jerusalem zu kommen. Ihre Zahl beträgt jetzt zirka 1000 Personen. Die Bucharer Juden lassen sich nur in Jerusalem nieder. Sie tun es deshalb, weil sie es als ein Gebot halten. Im Lande selbst aber machen sie nichts. Sie wissen nichts vom Zionismus und der neuen Kolonisation. Ich hörte einen jungen Bucharer mit grossem Schmerze über das jetzige Elend der Juden sprechen, über ihre Unruhe — und mit welcher Begeisterung sprach er von dem einstigen Leben der Juden! Ein so stark flammendes, patriotisches Gefühl ist auch bei unserer russischen Jugend selten zu finden. Und doch wusste er nichts vom Zionismus und <von unserer Arbeit in Palästina. Die Bucharer reden untereinander auch eine eigene Sprache. He- 12

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