Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden in der neuen Türkei
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 3)
- Language
- German
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Die politische Seite der durch die geschilderte Gruppierung und Einwanderung geschaffenen Lage muss dem Aussenstehenden ziemlich kompliziert erscheinen, jedoch spricht es sehr für die Chancen der Juden, dass die Türken — und das geht auch aus der ganz präzisen Stellungnahme massgebender Vertreter des neuen Regimes hervor — in den Juden ein absolut zuverlässiges Bevölkerungselement des Ottomanischen Reiches sehen, und dass ihnen von allen Arten Einwanderung die der Juden am erwünschtesten; ist, weil sie dem Lande Nutzen bringt, ohne für die Zukunft auch nur die Möglichkeit von Verwicklungen in sich zu bergen. In der Tat sind also die Juden im ersten türkischen Parlament mit vier Sitzen vertreten, und zwar haben die vier grössten Judengemeinden des Reiches je einen jüdischen Abgordneten ins Parlament entsandt. Dies sind Konstantinopel, Salonik, Bagdad und Smryna. Jerusalem, dessen Judenschaft prozentual die grösste ist (66 o/o — 53 000 Juden unter einer Gesamtbeövlkerung von ca. 80 000), f e h 11 in der Reihe, und zwar deshalb, weil die dortigen Juden der Mehrzahl nach nicht ottomanische Untertanen sind (es sind zumeist aus Russland eingewanderte Juden, die noch russische Untertanen geblieben sind). Zieht man diesen Umstand in Betracht, so sind tatsächlich die vier grössten .Gemeinden ottomanisch'er Juden durch jüdische Mitglieder v e r t r e t e. n. ' Bleibt die Frage der voraussichtlichen Patfteistellungi der Juden. Die Türkei ist ein vielfach sehr komplizierter Nationalitätenstaat, und die Politik des neuen Regimes muss darauf ausgehen, allen ihren Völkerschaften und religiösen Gruppierungen gerecht zu werden. Gerecht, d. h. Wahrung der berechtigten Interessen und Eigenwünsche jeder noch so kleinen Minorität innerhalb der unantastbaren Rei chs ei nh eit. Diese Wahrung der Minoritätsrechte wird voraussichtlich über kurz oder lang zu weitgehenden Selbstverwaltungs-Privilegien von Provinzen, Distrikten und selbst kleinen Ortschaften führen. Auf diese Weise werden auch die Juden zu. einer Selbstverwal tu nggelangen,dieih'rerGru ppi er u ng im Reiche entspricht, und diejenigen jüdischen Bestrebungen, z. B., die auf eine Neubesiedelung Palästinas hinauslaufen, können unter diesen Umständen wohl darauf rechnen, dass ein der Mehrzahl nach von Juden bewohntes, Palästina einmal als jüdische Provinz des türkischen Reiches figurieren wird. Schon heute ist, wie wir oben gesehen haben, Palästina ein jüdisches Konzentrationsland, sowohl für die Judenheit Osteuropas wie auch Tür die der Türkei, und diese Tatsache wird das Erstarken des jüdischen Nationalgedankens 8