Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden in der neuen Türkei
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 4)
- Language
- German
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sicherlich befördern, so dass die jüdischen Parlamentsmitglieder auch einen positiven Anlass haben werden, als Juden zusammenzustehen. Negative Anlässe haben sie ja ohnehin: Das ganze ottomanische Parlament wird aus nationalen Gruppen bestehen, deren keine einen Juden in ihrer Mitte haben wird. Fürs erste wird es freilich kaum im türkischen Parlamente zur Aufrollung der Judenfrage und damit zu einem Zusammenschluss der jüdischen Vertreter kommen. Sicher ist dagegen, dass die jüdischen Abgeordneten eine Hauptstütze des ottomanischen Reichsgedankens und der muselmanischen Vorherrschaft im Lande sein weriden. Türken und1 Juden sind eben in hohem Masse aufeinander angewiesen, und die Erkenntnis dieser Interessengemeinschaft bricht sich mehr und mehr Bahn. Schon in den letzten Jahren ist das Interesse grosser Kreise der im Westen wohnenden Juden an einer Einwanderung und Kolonisation von Juden im Orient beträchtlich gestiegen, und die Neugestaltung der Dinge im türkischen Reiche ist ganz dazu angetan, auf diese Bestrebungen fördernd einzuwirken. Dr. J. Lurie, Jerusalem. Ein jüdisches Zentrum.*) erusalem ist in der letzten Zeit zu einem jüdischen Zentrum geworden. Während des ganzen Mittelalters bildeten die Juden daselbst nur eine kleine Gemeinde. Noch im Jahre 1337 hatte es nur zirka 3000 Juden. Ludwig August Frankl, der zur Eröffnung der Lämmelschule herkam, fand im Jahre 1856 in Jerusalem 5137 Juden vor, bei einer allgemeinen Bevölkerung von 18,000 Personen aber 1881 lebten hier schon 13,920 Juden. Von dieser Zeit an begann die jüdische Bevölkerung sehr rasch zu wachsen und erreichte 1891 zirka 25,322 und zahlt heute ungefähr 40,000 Seelen. Die Gesamtbevölkerung Jerusalems beträgt heute 60,000 Seelen, wovon 10,000 Mohammedaner und 10,000 Christen verschiedener Nation sind. Die jüdische Bevölkerung bildet aber kein einheitliches Ganze. Dias lange Goluthleben in verschiedenen Ländern ist nicht ohne Wirkung auf die Juden geblieben. Ueberall haben die Juden Fremdes aufgenommen, je höher die Kultur der sie umgebenden Bevölkerung war, je schwächer sie in einem Lande waren — desto mächtiger war die Wirkung der Fremde auf *) Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz der vorzüglich redigierten Zeitschrift „Unsere Hoffnung". 9